Beerenkäsekuchen oder Die Treffsicherheit von Anglizismen

Eigentlich wollte ich diesen Artikel „Die nicht immer unbestrittene Treffsicherheit von Anglizismen nennen… aber zu lange Überschriften führen meiner Meinung nach zu Verwirrung und Desinteresse beim Leser, wenn sie nicht wohldosiert sind. Käsekuchen… Ich fand als Kind immer faszinierend, wie es süßen Kuchen geben kann, der offensichtlich (dem Namen nach) Käse enthält. Und welcher Käse das dann wohl sein mag? Als ich dahintergekommen bin, dass doch keiner zum Einsatz kommt, sondern dass das ganze Geheimnis Quark ist, war ich zwar nicht wirklich überrascht. Aber ich muss bis heute daran denken, immer wenn ich einen esse oder backe. Und ich wundere mich sehr, warum niemand mehr Käsekuchen, sondern alle nur noch Cheesecake backen. Ich meine, ich weiß, es hört sich einfach hipper an. Genau so wie Breakfastbowl besser klingt als Frühstücksschüssel und Smoothiebowl griffiger ist als Eine Auswahl pürierter Früchte, garniert mit in dekorative Streifen gelegte  Kerne und Samen, serviert in einer Suppenschüssel, zu verzehren mithilfe eines Löffels. Aber Käsekuchen ist eine so treffende Bezeichnung, bei der sich als schöner Nebeneffekt bestimmt alle Kinder fragen, welcher Käse denn wie darin enthalten sein kann, ohne dass man ihn herausschmeckt. Also – für mehr Käsekuchen und weniger Cheesecake in unseren Küchen!

Das mag jetzt vielleicht so klingen, als sei ich generell gegen Anglizismen. Das ist nicht wahr, es gibt einige sehr prägnante und treffende. Weswegen ich es auch absolut unnötig finde, Sprachpurismus zu betreiben. Sprache ist ein lebendiges, sich ständig veränderndes Gebilde, das über die Zeit sehr vielen Einflüssen ausgesetzt ist. Man bedenke nur die Lehnwörter aus dem Lateinischen und Französischen, die in den täglichen Sprachgebrauch eingingen, als diese Sprachen in Europa dominant waren und die wir heute selbstverständlich benutzen. Aktuell ist es eben Englisch, das uns überall begegnet und unsere tägliche Kommunikation (meistens) bereichert. Das finde auch ich ganz natürlich und in Ordnung. Was mich jedoch stört, ist der unreflektierte Gebrauch. Wie Cheesecake. Cheese = Käse. Cake = Kuchen. Okay, wenn man einen New York Cheesecake nur mit Frischkäse bäckt, dann verstehe ich das. Ist ja dann ein speziell amerikanisches Rezept. Aber sobald Quark mit im Spiel ist, bin ich für die Bezeichnung Käsekuchen. So.

Sprachpurismus (frz.: purisme, lat.: purus = rein) oder Sprachreinigung ist übrigens der Versuch, alle Fremd- und Lehnwörter aus einer Sprache zu tilgen, indem aus dem Material der eigenen Sprache neue Wörter gebildet werden. Bestrebungen dazu gibt es in einigen Ländern mehr oder weniger erfolgreich. Bekannt ist vor allem die bereits erwähnte Académie Francaise in Frankreich oder die Academia della Crusca in Italien, aber auch die Isländer versuchen intensiv, ihre Sprache frei von anderen Einflüssen zu halten. Um die Dame Wikipedia einmal wieder zu Wort kommen zu lassen.

Nun aber Schluss mit dem Geschwafel. Heute gibt es Blueberry and Raspberry Cheesecake.

Oh nein, entschuldigt. Bodenlosen Käsekuchen mit Blaubeeren und Himbeeren meinte ich natürlich. Das wollte ich schon lange mal ausprobieren. Leider hatte ich keinen Grieß mehr zuhause (der eigentlich dem Kuchen Stand geben sollte), deswegen habe ich mich stattdessen für viel Vanillepuddingpulver (alternativ geht auch Speisestärke) entschieden, was ihm sehr gut getan hat. Ergebnis ist ein sehr fluffiger, weicher, nicht zu süßer Kuchen mit optimalem Stand, der sich auch sehr gut als Dessert servieren lässt.

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BODENLOSER KÄSEKUCHEN MIT BLAUBEEREN UND HIMBEEREN

Die Menge ist für eine Springform mit 26cm Durchmesser gedacht. Und die ist, wie ich festgestellt habe, nur gerade so ausreichend.

250g Zucker mit 250g Butter schaumig rühren, bis sich der Zucker aufgelöst hat und die Masse weißlich geworden ist. Anschließend 6 Eier trennen. Das Eiweiß steif schlagen und beiseite stellen. Das Eigelb nach und nach unter die Butter-Zucker-Masse rühren. Dann einen Kilo Quark (am besten den mit 20% Fett i.d.Tr.) unterrühren. Einen Esslöffel Mehl mit einem Teelöffel Backpulver und zwei Päckchen Vanillepuddingpulver vermischen und schnell mit der Quarkmasse vermengen. Zum Schluss den Eischnee unter die Masse ziehen. Nun kommen noch 200g frische Blaubeeren und ungefähr ebenso viele Himbeeren (ich habe da tiefgekühlte genommen, aber frische gehen sicher genauso gut) dazu.

Den Teig (kann man es überhaupt so bezeichnen?) in eine mit Backpapier ausgelegte, aber nicht gefettete (!) Springform streichen und bei 180°C Ober- und Unterhitze eine Stunde backen. Dann den Ofen abschalten und bei geschlossener Tür noch so lange ziehen lassen, bis der Kuchen Gefahr läuft, zu dunkel zu werden. Wichtig: Vor dem Anschneiden vollständig auskühlen lassen, weil er sonst zusammenfällt!

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Ich wünsche euch alles Gute dieser Welt! Und im Alltag viele kleine Glücke!

Eure

Miriam

 

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