Märchenhafte Bösartigkeit oder Überlegungen zur Fantasy

Hallo ihr Lieben,

Ich habe hier schon einmal beschrieben, wie sehr ich das Lesen liebe und wie gerne ich mich in Geschichten entführen lasse. Prinzipiell besonders gern lass ich mich mitehmen auf Reisen durch erdachte, phantastische Welten. Vorausgesetzt, es ist eine konsistente, in sich schlüssige Welt und eine mitreißende Geschichte. Leider gibt es aber unheimlich viele unheimlich schlechte Fantasy-Romane, weswegen sich die Suche nach Perlen des Genres oft als ziemlich mühselig gestaltet. Zu oft wiederholen sich Handlungsstränge, Figurenzeichnungen, sogar die Anzahl der Teile einer Reihe scheint in irgendeinem geheimen Kodex (oder doch von Verlagen?) auf drei festgelegt zu sein. So vorhersehbare Geschichten langweilen mich und ich habe schon lange aufgehört, an so etwas meine Zeit zu verschwenden. Aber ich würde diesen Artikel nicht schreiben, wenn ich nicht doch einmal wieder fündig geworden wäre im Fantasy-Dschungel und ein Buch gefunden hätte, das ich euch wärmstens an’s Herz legen möchte.Gestoßen bin ich darauf ziemlich zufällig, als ich nach der Buchvorlage eines Films geschaut habe, dessen Trailer ich im Kino gesehen habe.

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Obwohl ich glaube, dass mir noch niemals ein uninformativerer Klappentext untergekommen ist, möchte ich euch ihn trotzdem nicht vorenthalten.

Nach dem Tod seiner Mutter flüchtet sich der zwölfjährige David in die Welt der Bücher. Schon bald merkt er, dass sich Realität und Phantasie vermischen. Es beginnt eine aufregende Reise an der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit. Klug und spannend erzählt John Connolly eine Geschichte über die Kraft der Phantasie.

Der Junge David ist sehr unglücklich, als sein Vater einige Zeit nach dem Tod seiner Mutter eine neue Frau kennenlernt und mit ihr wieder eine Familie gründet. David ist voller Wut auf seinen kleinen Halbbruder und seine Stiefmutter und zieht sich immer mehr in sich selbst und die Welt seiner Bücher – alte Bücher voller geheimnisvoller Zeichnungen und magischer Geschichten – zurück. Bei einem Angriff der deutschen Luftwaffe (die Geschichte spielt im Jahr 1940 in England) flüchtet sich David in eine Baumhöhle am Ende des Gartens und findet sich unversehens in einer anderen Welt wieder. Es ist eine böse Welt, in der Ungeheuer und Halbwölfe lauern. Eine Jägerin erschafft Mischwesen aus Kindern und Tieren, um sie zu jagen. Ein dickes, lautes, unsympathisches Schneewittchen unterdrückt sieben zutiefst kommunistische Zwerge. David kann nur zurück, wenn er den König findet und von dem das Buch der verlorenen Dinge erhält. Noch weiß er nicht, dass der Trickser, der Krumme Mann, einen teuflischen Plan ausheckt, in dem er David die Hauptrolle zugewiesen hat.

Ohh, ich hoffe, ich habe nicht zu viel verraten. Diese Geschichte ist voll von bösem Ideenreichtum und merkwürdigen Gestalten. Verschiedene bekannte Märchen sind in die Erzählung mit eingewoben, enden aber nie so, wie man es kennt und erwarten würde. In seiner Erzählweise erinnert die Geschichte selbst an die Märchen, die ihr zugrunde liegen. Aber definitiv keines für Kinder: Teilweise hat mich das Buch in der düsteren Atmosphäre, den schrägen Einfälle und gruseligen Schauplätzen an die Filme von Tim Burton erinnert oder an die Filme Pans Labyrinth und Das Märchen der Märchen. Beides sind Märchen für Erwachsene, und ebenda kann man auch Das Buch der verlorenen Dinge einordnen.

Also, wenn ihr euch gern ein bisschen beim Lesen gruselt und euch gerne in andere Welten mitnehmen lasst (oder jemanden kennt, der das gerne tut und dem ihr noch etwas als Weihnachtsgeschenk sucht), dann sei euch dieses Buch an’s Herz gelegt.

John Connolly: Das Buch der verlorenen Dinge, 330 Seiten, erschienen im List Verlag im Jahr 2011.

 

Ich wünsche euch alles Gute dieser Welt!

Eure Miriam

 

 

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