Glücklicher Zufallsfund oder Aprikosenschnecken mit Marzipan

Ihr Lieben,

wenn ihr mir auf Instagram folgt, dann könnt ihr euch vielleicht noch an die Verschenkaktion in meinem Haus erinnern: Jemandem wucherte die Minze zu übermütig auf dem Balkon und dieser Jemand suchte dann mit einer netten Nachricht im Hauseingang ein neues Zuhause für sie. In der darauffolgenden Zeit standen hin und wieder Kisten mit überflüssig gewordenem Hausstand, meist altes Besteck und Küchengerät, im Eingangsbereich herum und warteten auf neue Besitzer. Uninteressant für mich, bis einmal eine ganze Kiste voll mit Kaffeegeschirr aus Porzellan dort stand. Daran konnte ich nicht vorbeigehen und so darf ich nun zwei Teller Indisch Blau von Bareuther mein Eigen nennen. Die restlichen acht Teller, sechs Untertassen und sechs Tassen des Sets habe ich großzügigst dem Finder nach mir überlassen, denn so viel Geschirr kann ich leider nicht in meiner Küche unterbringen. Das sehr hübsche Blumendekor ist laut Wikipedia sehr beliebt. Jede Porzellanfabrik, die etwas auf sich hält, hat seit dem 19. Jahrhundert eine Linie mit diesem Muster im Repertoire und nennt sie Strohblumen, Friesisch Blau oder eben Indisch Blau. Die sehr reduzierte Form, wie sie sich auch auf meinen Tellern findet, rührt daher, dass der Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Porzellanfabriken sehr groß war und immer nach Möglichkeiten gesucht wurde, die Produktion zu verbilligen. Aber mir gefällt gerade das Einfache, Reduzierte. Ein bisschen geblümt, ein bisschen blau, ein bisschen retro und genau perfekt, um darauf fluffige Hefeschnecken mit Aprikosen und Marzipan zu präsentieren.

Das Marzipan macht die Schnecken süß und saftig, dominiert aber nicht, weil Zitronenschale in der Füllung und die Aprikosen ausbalancieren mit sommerlicher Frische. Der Teig ist sehr weich, buttrig und wenig süß. Am besten sind die Schnecken lauwarm frisch aus dem Ofen, aber auch abgekühlt schmecken sie vorzüglich, mit Vanilleeis oder pur, mit Kaffee oder Milch, je nach Vorliebe.

Hefeschnecken mit Aprikosen und Marzipan

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Die angegebenen Mengen passen genau für eine Springform von 26 cm Durchmesser oder zehn Schnecken.

Zuerst den Vorteig bereiten. Dazu 250g Mehl in eine Schüssel abwiegen und eine Mulde hineindrücken. 125ml Milch erwärmen (sie darf nicht heißer als handwarm sein, sonst quittiert die Hefe ihren Dienst) und in die Mulde gießen. 21g Hefe (also einen halben Würfel) hineinbröckeln. 30g Zucker abwiegen und davon einen Esslöffel in die Milch streuen. Dann mit einer Gabel so lange die Hefe mit der Milch verquirlen, bis sie sich aufgelöst hat. Den Vorteig abgedeckt an einem warmen Ort ungefähr 20 Minuten gehen lassen beziehungsweise so lange, bis sich die Hefemilch in eine fluffig-schaumige Masse verwandelt hat.

Für den Hefeteig den restlichen Zucker, 30g weiche Butter und ein Eigelb zum Vorteig geben. Das Eiweiß dabei unbedingt aufbewahren, das wird für die Füllung noch benötigt. Alles miteinander vermischen (mit Küchenmaschine oder Rührgerät) und kneten, bis sich der Teig von der Schüssel löst und er sich weich, elastisch und nicht klebrig anfühlt. Das dauert je nach Leistung von Handrührgerät, Küchenmaschine oder Bizeps (meine Oma schlägt ihren Hefeteig immer noch oft per Hand) fünf bis zehn Minuten. Dann den Teig abgedeckt eine Stunde gehen lassen oder so lange, bis er sein Volumen verdoppelt hat.

Während der Teig geht, die Füllung zubereiten. Dafür 170g-200g Marzipan (je nachdem, wie intensiv ihr den Marzipangeschmack haben mögt) in Stücke schneiden und mit dem Handrührgerät weich rühren. Dann ein Eiweiß einrühren sowie  2 EL Sahne, um das Marzipan geschmeidig zu machen. So lange schlagen, bis die Masse cremig und homogen wird. Dann die Schale einer halben Zitrone abreiben und unterrühren.

Außerdem 350g- 400g Aprikosen waschen, entsteinen und klein würfeln.

Wenn der Teig sein Volumen verdoppelt hat, aus der Schüssel nehmen, auf der bemehlten Arbeitsfläche noch einmal kurz durchkneten und dann zu einem etwa ein Zentimeter dicken Rechteck ausrollen. Die Marzipanmasse darauf verstreichen und die Aprikosenwürfel gleichmäßig darauf verteilen. Anschließend von der langen Seite her aufrollen und mit einem scharfen Messer in Scheiben schneiden. In lockerer Anordnung in einer Springform verteilen. Wichtig ist, darauf zu achten, dass die Scheiben nicht zu dünn bemessen sind, sonst kann man sie nicht schön in die Form setzen. Noch einmal zudecken und ein letzes Mal gehen lassen, dieses Mal eine halbe Stunde.

Den Ofen auf 160°C Ober- und Unterhitze vorheizen und den Hefeschneckenkuchen ungefähr 45 Minuten backen, bis er eine appetitliche goldgelbe Farbe hat und Marzipanduft durch die Wohnung zieht. Wer mag, kann die Schnecken dann noch mit Zuckerguss oder Frosting zu überziehen. Ich habe mich hier aber dazu entschieden, mit gar nichts zu glasieren, denn ich wollte puren Aprikosen- und Marzipangeschmack und keine klebrigen Finger beim Essen.

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Und voilà, die Schnecken sind perfekt geworden. Perfekt, um sie an einem heißen Sommertag beim Picknick am See zu verspeisen oder sie etwas gediegen zum Nachmittagskaffee von Indischblau-Porzellantellern zu naschen. Je nach Anlass und Anforderung kann man sie entweder auseinanderzupfen, wie ich es auf den Fotos gemacht habe, oder man schneidet sie in Stücke wie einen Kuchen. Dann kommt die Maserung der Füllung auch gut zur Geltung. Ein Kuchen für alle Lebenslagen also und für wirkliches kleines Glück.

Und genau das wünsche ich euch, wie immer: Alles kleine Glück dieser Welt.

Eure
Miriam

 

 

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Kleine Unbekannte oder Krumau an der Moldau

Dobrý den, liebe Leser,

Obwohl ich gegenüber unseren (süd-)östlichen Nachbarn schon aufgeschlossener bin, nachdem ich letztes Jahr Urlaube in den slowenischen Alpen und Lljubljana verbracht habe und hingerissen war, hat mich Tschechien noch nie wirklich gereizt. Seit beinahe fünf Jahren wohne ich nun in Passau, und seitdem ich hier bin, bin ich bis zum vergangenen Himmelfahrts-Feiertag kein einziges Mal dort gewesen. Warum auch? Was kann man denn ansehen außer Prag, wo ich schon einmal war und das dann doch zu weit für einen Tagesausflug ist? Ich verrat euch was – das pittoreske, herausgeputzte Krumau zum Beispiel.

Die Route, die mein Freund herausgesucht hat, ist in Google mit 109km als die kürzeste angegeben, dauert aber am längsten. Da ich finde, dass viele Eindrücke verloren gehen, wenn man unterwegs nur sein endgültiges Ziel im Sinn hat, haben wir uns die Zeit genommen und sind auf kleinen Schleichwegen quer durch die Landschaft gefahren. Von Passau aus erst nach Hauzenberg und von da an nur noch durch Dörfer, von denen ich noch nie gehört habe und auf Straßen, die immer schmäler und rissiger wurden. Hinter Passau beginnt der Bayerische Wald, deswegen ist es dort auch schon hübsch, aber kaum waren wir über die Grenze zu Tschechien gefahren, wirkte die Natur wilder und unberührter, die kleinen Dörfer wie aus der Zeit gefallen. Die Wiesen waren mit Blumen übersät, hier und dort friedlich grasende Kuhherden, der Lipno-Stausee (ein beliebtes Campingziel im Sommer) glitzerte im Sonnenlicht. Ziemliche Postkartenidylle.

Krumau, zu tschechisch Czeský Krumlov (über das c gehört eigentlich noch ein kleiner Haken, aber das überfordert meine Tastatur) liegt an der Moldau, besser gesagt macht die Moldau zwei enge Schleifen und dort liegt das Städtchen eingebettet. Es hat eine wechselvolle Geschichte (wen es genauer interessiert, möge Wikipedia befragen, dort steht sehr ausführlich, welche Fürstenfamilie wie lange dort regiert hat und wie viele deutsch- und tschechischsprachige Bewohner in welchem Jahr dort gewohnt haben) und ist UNESCO-Welterbe. Warum, das deutet sich schon an, wenn man sich vom Parkleitsystem auf den Parkplatz 1 führen hat lassen, denn es begrüßt einen die Burg (das Schloss?) mit einer wunderhübschen, sehr hohen und mehrstöckigen Brücke.

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Dahinter, auf der anderen Seite des Burgbergs, liegt die Stadt an der Moldau. Schmucke, mittelalterlich anmutende Häuser schmiegen sich aneinander und gruppieren sich um kleine Plätze. Wenn man aufmerksam ist, kann man überall an den Häusern kunstvolle Schnitzereien entdecken.

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Über allem erhebt sich die Burg, die nach der in Prag die zweitgrößte Burganlage in Tschechien ist. Man kann sie auch besichtigen, wir haben uns aber dafür entschieden, einmal durch zu laufen (das kostet auch nichts), die Brücke aus der Nähe zu bewundern und den Ausblick von dort zu genießen.

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Natürlich ist auch das Kulinarische nicht zu kurz gekommen – man kann in der ganzen Stadt trotz der spürbaren Ausrichtung auf Tagestouristen günstig essen. Wir hatten Szegediner Gulasch mit böhmischen Hefeknödeln und als Nachspeise einen Trdelník mit Zimtzucker, bezahlt haben dafür mit Getränken und Trinkgeld insgesamt 16,50€. Ja, in Euro, man muss nicht wegen eines Tagesausflugs in Tschechische Kronen wechseln, was sehr praktisch ist.

Insgesamt kann ich nur sagen: Děkuji für das freundliche Empfangen und die vielen kleinen Glücke an diesem Tag, Krumau. Trotz der zahlreichen deutschen, österreichischen und japanischen Touristen – wer bin ich, mich darüber zu beschweren oder daran Anstoß zu nehmen, ich deutscher Tagestourist? Děkuji heißt übrigens „danke“ und man spricht es in etwa „jekuje“ aus. Der Kellner im Restaurant hat es mir geduldig drei Mal vorgesprochen, als ich ihn gefragt habe, wie man sich bedankt.

Für meinen nächsten Ausflug nach Tschechien bin ich also zumindest schon einmal dafür gerüstet, mich zu begrüßen und zu bedanken. Ich überlege schon, was ich noch sehen möchte von unserem kleinen unbekannten Nachbarn. Karlsbad? Budweis?

Ich wünsche euch alles kleine Glück.

Eure
Miriam

 

 

Spektakulär unspektakulär oder Glück im Kleinen

Ihr Lieben,

seit Längerem habe ich mal wieder einen Roman gelesen, den ich auch euch vorstellen möchte. Eine kleine, feine, unaufgeregte Geschichte über einen völlig unspektakulären Mann. Ehemann und Barbesitzer, Vater von drei Teenagersöhnen, guter Freund und überzeugter Bewohner einer Kleinstadt in der Schweiz. Vielleicht denkt ihr euch jetzt – was ist denn das für ein langweiliges Thema? Ein zufriedener, mittelalter Familienvater in einer Schweizer Kleinstadt? Wo ist das Besondere, das Ereignis, das Erzählenswerte? Nun denn, ich versuche euch zu überzeugen. Aber zuerst, wie immer, Titelbild und Klappentext.

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Zum ersten Mal in fünfundzwanzig Jahren Ehe schlafen Max und Tina nicht im selben Bett. Tina ist hauptberuflich in Paris und Max bleibt in seiner Heimatstadt, wo er eine Bar betreibt. Durch die Abwesenheit seiner Frau wird ihm bewusst, was ihm wirklich wichtig ist im Leben.

Abends steht Max hinter dem Tresen seiner Bar und hört sich die Geschichten der Gäste an. Tagsüber bringt er mit seinem Handkarren das Altglas weg, repariert das Mobiliar, begibt sich auf die Suche nach einem ausgestopften Stierkopf – oder legt sich mit Immobilienspekulanten an.

In seinem neuen Roman stellt Alex Capus einen Erzähler in den Mittelpunkt, der mit sich selbst im Reinen ist, der mit scharfem und versöhnlichem Blick das verteidigt, was im Alltag und in der Hektik schnell übersehen wird. Das Leben ist gut ist ein Roman über das Menschsein, gute Freundschaften und das Leben – vor allem aber eine große Hymne auf die Liebe.

Der Klappentext impliziert, dass Max sich erst selbst finden muss, als seine Frau nach Paris geht, dass ihr berufsbedingtes Wochenendpendeln ein Loch in sein geregeltes Leben reißt und er in eine Sinnkrise stürzt. Das ist aber nicht der Fall. Max ist zufrieden mit seinem Leben, mit seiner Bar, die in einer mittelgroßen Stadt in der Schweiz im Bahnhofsviertel Anlaufstelle für die unterschiedlichsten Menschen ist. Seine Arbeit und die Geschichten seiner Gäste sind sein Tor zur Welt. Er zieht durch, was er sich vorgenommen hat und steht zu seinen Überzeugungen, ist aber gleichzeitig nicht borniert im Denken, offen und zugewandt. Auch seiner Frau gegenüber, von der Max sehr warmherzig erzählt. Von den 25 Jahren Ehe, von den schönen Gewohnheiten, aber auch den nach immer gleichem Muster verlaufenden zermürbenden Diskussionen und Streits. Von den kleinen, mehr oder weniger lieb gewonnenen Eigenheiten. Und der Feinfühligkeit, sich gegenseitig die Freiheit zu lassen, die der andere jeweils braucht.

Das Besondere ist, dass die Geschichte nicht eindimensional ist. Die verschiedenen Gefühle, Überzeugungen und Erfahrungen der Hauptfigur und seiner Mitmenschen, die im Laufe der Erzählung aufgefächert werden, sind nicht nur positiv und rosarot. Die Geschichte schafft es mit der Stimme seiner Hauptfigur Max, in zarten Worten die Zwischentöne zu beschreiben, die das Leben in all seinen Facetten ausmachen. Trotz der Widrigkeiten, falschen Freundschaften und finanziellen Schwierigkeiten die Freude am Leben und den Blick für die kleinen Schönheiten zu behalten. Die Einstellung und das Vertrauen, dass es das Leben trotz allem gut mit uns meint.

Es ist schwierig, diese Geschichte so in Worte zu fassen, dass sie nicht langweilig und so lesenswert klingt, wie sie ist. Also: Gebt ihr eine Chance. Vielleicht berührt euch das Buch wie mich und ihr klappt mit einem Lächeln auf den Lippen die Buchdeckel zu, schaut aus dem Fenster, seht Kinder spielen und groß werden, Menschen sich streiten, versöhnen, sich gegenseitig helfen und zusammen alt werden. Und denkt euch dann: Das Leben ist gut. Und die Menschen sind es irgendwie auch.

In diesem Sinne wünsche ich euch viel kleines Glück,

Eure
Miriam

 

Alex Capus (2016): Das Leben ist gut, Hanser Verlag, 239 Seiten.

Ausflugsziel Mostbauer oder Rhabarbervanillestreusel

Ihr Lieben,

Passau preist sich selbst als die Dreiflüssestadt und liegt, zugegebenermaßen ziemlich malerisch, am Zusammenfluss von Inn und Donau. Der Inn, der mit seinem manchmal schlammbraunen, manchmal fast saphirgrünen Wasser zwischen Österreich und Passau alle kleinen und größeren Dörfer und Städte verbindet, die für mich Heimat sind und Donau, mit der ich kaum mehr verbinde, als dass sie ziemlich tief, träge und immer schwarzbraun ist und dem Inn den Namen klaut. Der dritte Fluss ist die Ilz, ein kleines, idyllisches Flüsschen.

Fährt man nun von Passau aus auf der österreichischen Seite des Inns ein Stück Richung Wernstein und Schärding, kommt man an dem „Mostausschank Unterer Inn“ vorbei. Das ist ein Bauernhof mit einer kleinen Milchwirtschaft, dessen Besitzer die einträgliche Idee hatten, im Sommer Radfahrer und die Passauer Studenten in dem kleinen Biergarten vorm Haus mit selbst gekeltertem Most (pur oder gspritzt) und Jause (also Brotzeit) zu versorgen. Es fühlt sich für mich immer wie die pure Idylle an, an einem der paar Tische zu sitzen, links davon der Gemüsegarten der Wirtsfamilie, geradeaus Bienenstöcke, jetzt im Frühling blühende Apfelbäume und dahinter der Fluss, den auf der gegenüberliegenden Seite sattgrüne, dicht bewaldete Hänge säumen.

Die Brotzeit ist wirklich sehr zu empfehlen und wenn einen dann mit dieser Aussicht nach einem Brotzeitteller und einer Portion Erdäpfel- und Topfenkas noch der Nachspeisenhunger überkommt, gibt es Povesen und einfache Rührkuchen mit Obst der Saison. Momentan ist Rhabarberzeit, deswegen gibt es – Überraschung – Rhabarberkuchen. Den mag ich, aber umso mehr mag ich es, wenn der Rhabarber mit seiner Säure eingebettet ist in einen samtigen Guss, so wie in diesem Rezept hier.

Weil ich also dringend Rhabarkuchen backen wollte, aber keine Lust hatte auf Mürbteig-Knet- und Bastelarbeit mit butterfettigen Händen und Teig überall hatte, habe ich einen Rhabarberstreuselkuchen mit Vanillequarkcreme gebacken, der so gut geworden ist, dass ich ihn mit euch teilen möchte. Die leicht süße, vanillige Quarkcreme bildet einen mindestens so perfekten Kontrast zu dem säuerlichen Rhabarber wie Rahmguss und die Streusel knuspern zart. Hach, das ist Kuchenglück.

Rhabarberstreuselkuchen mit Vanillequark und Streuseln

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Für eine Springform von 24cm Durchmesser

500g Rhabarber waschen, putzen, die großen Stangen grob schälen und in Scheiben schneiden. Mit 2 Esslöffel Zucker mischen und etwas ziehen lassen.

Für den Boden 100g Butter mit 80g Puderzucker und einem Päckchen Vanillezucker cremig schlagen. Nacheinander 2 Eier hinzufügen. 125g Mehl mit einem Teelöffel Backpulver mischen und unter die Butter-Zucker-Masse rühren.

Für die Käsekuchenmasse 350g Quark mit 150g Vanillejoghurt, 35g Speisestärke, einem Esslöffel Puderzucker und einem Päckchen Vanillezucker verrühren. Die Masse ist recht standfest, deswegen noch so viel Milch zugießen, bis sie cremig wird. Das waren bei mir ungefähr 50ml, ich habe aber nicht abgemessen.

Für die Streusel 75g Butter mit 65g braunem Zucker (weißer Zucker geht auch, aber ich finde, Streusel werden mit braunem Zucker noch knuspriger) und 100g Mehl verkneten.

Jetzt die Rührteigmasse in die Springform streichen und darauf die Quarkcreme. Dann den Rhabarber abtropfen lassen und auf dem Kuchen verteilen. Abschließend die Streusel drüberbröseln.

Im Backofen bei 175°C Ober- und Unterhitze ca. 50 Minuten backen.

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Der Mostausschank ist übrigens definitiv kein Geheimtipp im Sommer, vor allem nicht während der Semesterzeit. Mittags bekommt man aber normalerweise gut einen Tisch und abends rückt man gern zusammen, damit alle Platz haben.

Ich wünsche euch alles kleine Glück.

Eure
Miriam

 

Schoko Granola oder Willkommen zurück

Ihr Lieben,

seit meinem letzten Beitrag, der immerhin schon beinahe ein Jahr her ist, ist viel passiert. Ich hab mich – mehr oder minder freiwillig (eher sehr minder, außer man argumentiert damit, dass ich selbst schuld bin, wenn ich Studieren gehe) – mit linguistischen Phänomenen der deutschen Sprache und der Entwicklung der deutschen Literatur seit dem 16. Jahrhundert auseinandergesetzt. Und mit deutschdidaktischen Fragestellungen. Und grundschulpädagogischen. Und schulpädagogischen. Und schriftspracherwerbstechnischen. Und musikpädagogischen. Die letzten beiden begleiten mich noch ein bisschen, aber mit den anderen bin ich fertig. (Einen Tusch bitte.)

Und damit habe ich wieder Zeit. Zeit für mich, Zeit für mein Leben, Zeit für Dinge, die mich glücklich machen. Und dazu gehört – tadaaa – auch mein kleiner Blog, den ich hier mit einem Rezept für köstliches Schoko Granola wieder aufleben lassen möchte.

Sehr glücklich macht mich nämlich Frühstücken. Die erste Mahlzeit des Tages ist für mich tatsächlich die wichtigste, denn ich brauche Ruhe am Morgen, um ordentlich wach zu werden und meine schlafmüden Gedanken zu sammeln. Dazu gehören sowohl eine Tasse Tee als auch eine Schüssel Porridge (wenn ich viel Zeit habe) oder Müsli (wenn ich weniger Zeit habe, was meistens der Fall ist). Weil ich nicht immer Lust auf gekauftes Müsli habe und außerdem auch nicht monatelang die gleiche Sorte essen möchte (das langweilt mich nämlich), mache ich manchmal eine Dose Granola selbst.

Schoko Granola mit Bananen und Mandeln

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Den Backofen auf 160 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen.

100g kernige und 150g feine Haferflocken mit 2 Esslöffel Backkakao mischen. Dann 50g Vollmilchschokolade in Stücke brechen und mit 20g Kokosöl in einem Topf bei sehr geringer Hitze schmelzen lassen. Anschließend die flüssige Mischung mit einem Löffel unter die trockenen Zutaten rühren. Das wird keine feste Masse und soll auch keine werden, sondern eher leicht feucht und bröselig.

Im Ofen ca. 15 Minuten backen, dabei immer wieder durchmischen, damit es nicht verbrennt. Wenn ein betörender schokoladiger Duft durch die Wohnung zieht, ist das Granola fertig.

Bevor es in ein dicht verschließendes Behältnis umgefüllt wird, muss das Granola vollständig auskühlen, sonst wird es weich.

Dieses Grundrezept lässt sich ziemlich beliebig abwandeln. Ich habe noch eine Handvoll ungeschälte Mandeln gehackt und mit gebacken. Anschließend hab ich 2 EL Bananenchips zerbröselt und darunter gemischt, ebenso wie 4 EL Sonnenblumenkerne, geschrotene Leinsamen und ein bisschen Dinkelkleie. Wenn man den Biss der kernigen Haferflocken nicht mag, nimmt man einfach 250g feine Haferflocken. Und das Granola ist insgesamt ein bisschen herb und recht wenig süß, weil ich es gerne mit frischen Früchten esse und die sehr viel Eigensüße mitbringen. Wer es süßer mag, mischt noch 20g Ahornsirup oder Honig unter die Haferflocken.

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Ich wünsche euch alles Glück – zum Beispiel in Form einer Schüssel selbstgemachten Schokogranolas auf der Terrasse, während euch die ersten Sonnenstrahlen des Morgens das Gesicht wärmen und die Vögel den Tag begrüßen.

Eure Miriam

Rote-Linsen-Suppe oder Essen mit Brot

Ihr Lieben,

vor Kurzem war ich mit lieben Freundinnen in Schwabing im Blue Nile, einem kleinen Restaurant mit äthiopischer Küche. Wenn man reinkommt, umfängt einen die gemütliche, familiäre Atmosphäre und es duftet undefinierbar, aber köstlich nach den unterschiedlichsten Gewürzen. Von der Bestellung hab ich mich überraschen lassen und  einfach die gemischte vegetarische Platte genommen – da ist von allem etwas drauf. Namentlich zwei verschiedene Linsengerichte, Grünkohlgemüse und noch mehr Gemüse, das mit viel Öl und Kurkuma gebraten ist. Serviert wurde das Essen für drei Personen auf einer Platte, die mit typisch äthiopischen Sauerteigfladenbrot ausgelegt war, damit die Gerichte nicht direkt auf dem Blech lagen. So weit, so gut, so appetitlich angerichtet.

Besonders an diesem Restaurant ist nun, dass es kein Besteck gibt. Man isst mit Brot. Gut, man kann sich schon einen Löffel an den Tisch bringen lassen, aber möchte man wirklich der einzige Mensch im Raum zu sein, der nicht fähig oder nicht willens ist, zu seinen Wurzeln zurückzukehren und seine Finger als Essbesteck zu benutzen? Ich nicht. Außerdem bin ich immer offen gegenüber neuen (kulinarischen) Erfahrungen. Also hab ich meine Hand mit dem pfannkuchenartigen Sauerteigbrot ausgelegt und versucht, meine Finger wie eine Zange zu benutzen. Das ist gar nicht so einfach, wenn das Brot keinen Widerstand bietet und sich das Objekt der Esslust durch seine fast breiige Konsistenz hartnäckig dem Zugriff entzieht. Und da ich außerdem generell lieber fünfmal so viel Brei/Curry/Eintopf wie zugehörige Beilage (Reis oder in diesem Fall Brot) esse, hab ich meine kläglichen Versuche bald aufgegeben und ganz mit den Fingern gegessen. Das war eine sehr interessante Erfahrung. Von oben bis unten voll mit Grünkohl, Öl und mit gelben Fingern von den Gewürzen bekommt der Spruch „Genießen mit allen Sinnen“ noch einmal eine ganz neue Dimension. Nein, ich bin kein Fan davon. Ich mag Besteck. Und damit meine ich jetzt nicht Fischmesser,  Honig- und Kiwilöffel, Konfektgabeln und Hummerbesteck. Nur ein Löffel tut es auch.

Ich muss hinzufügen, wenn ich jetzt auf Reisen wäre zum Beispiel in Äthiopien, wo die Menschen mit ihren Fingern und mit Brot essen, dann würde ich das selbstverständlicherweise auch tun. Aber ich bin sicher, dort gäbe es dann auch jemanden, der mir zeigen würde, wie das geht und ich wäre nicht von lauter Menschen umgeben, die das letzte Mal im Alter von drei Jahren so genussvoll mit den Händen im Essen herumgestochert haben.

Inspiriert von den ebenso ungewöhnlichen wie schmackhaften Gerichten auf Linsenbasis, die es dort gab, hatte ich mal wieder dringend Lust auf Suppe aus roten Linsen. Und, was soll ich sagen? Sie ist perfekt geworden. Es darf zum Löffel gegriffen werden!

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Rote-Linsen-Suppe mit Joghurt, Sesam und Fladenbrot

Eine Zwiebel, zwei große Karotten und eine Zehe Knoblauch schälen und klein schneiden. In Olivenöl andünsten, dann 250g rote Linsen dazugeben. Kurz mitbraten, dann mit einem Teelöffel Harissa bestäuben. Außerdem noch mit etwas Salz, gemahlenem Koriander und Kreuzkümmel würzen. Verrühren, mit einer Dose Tomaten und ungefähr 600ml Wasser aufgießen. Ungefähr 20 Minuten köcheln lassen beziehungsweise so lange, bis das Gemüse weich ist. Dann zwei Esslöffel Crème Fraîche unterrühren. Mit Salz, Koriander und Kreuzkümmel abschmecken. Am Schluss noch eine Handvoll gehackte Petersilie unterrühren.

Mit geröstetem Sesam, Naturjoghurt und Fladenbrot servieren.

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Alles kleine Glück dieser Welt wünsche ich euch – so wie es für mich ein kleines Glück ist, mit lieben Menschen neue Restaurants und Essgewohnheiten zu entdecken. Trotz ziemlicher esstechnischer Startschwierigkeiten.

Eure Miriam

Japanisches Bohnenmus oder die Gabe meiner Oma

Ihr Lieben,

seit ich denken kann, bekomme ich von meiner Oma ein Buch zu Geburtstag und Weihnachten. Sie hat die Gabe, immer wieder kleine Schätze zu finden, die ich besonders mag und die genau meinen Geschmack treffen. Manchmal, wenn sie Bücher verschenkt, die auch sie interessieren, liest sie sie, noch bevor sie in Geschenkpapier liebevoll eingewickelt den Besitzer wechseln. Sehr behutsam, damit auch ja nicht zu viel Luft zwischen die Seiten gelangt und keine Knicke im Buchrücken sie verraten. Dann können wir, wenn ich die Geschichte ebenfalls zu Ende gelesen habe, über die Güte der Erzählung im Allgemeinen und die Sinnhaftigkeit der Handlung und die Figurenzeichnung im Besonderen diskutieren, was ich sehr schätze.

Hin und wieder empfiehlt mir meine Oma ein Buch außerhalb der alljährlichen Beschenkung und leiht mir gern etwas aus der umfangreichen Bibliothek, die meine Großeltern ihr Eigen nennen. So auch das Buch, das ich euch heute vorstellen möchte.

Kirschblüten und Rote Bohnen

Das Wunder der Freundschaft

Sentaro ist gescheitert. Er ist vorbestraft, er trinkt zu viel, und sein Traum, Schriftsteller zu werden, ist unerfüllt geblieben. Stattdessen arbeitet er in einem Imbiss, der Dorayaki verkauft: Pfannkuchen, die mit einem süßen Mus aus roten Bohnen gefüllt sind. Tag für Tag steht er in dem Laden mit dem Kirschbaum vor der Tür und bestreicht lustlos Gebäck mit Fertigpaste. Bis irgendwann die alte Tokue den Laden betritt. Die weise, aber sichtlich vom Leben gezeichnete Frau kocht die beste Bohnenpaste, die man sich nur denken kann. Auch deshalb verändert die Begegnung mit ihr alles, denn Tokue lernt Sentaro ihre Kunst. Wenig später wird Wakana, ein Mädchen aus schwierigen Verhältnissen, zur Stammkundin des Imbisses und schließt Freundschaft mit Tokue und Sentaro. Doch die Welt meint es nicht gut mit den beiden …

Durian Sukegawa erzählt von der Unnachgiebigkeit des Schicksals und der Möglichkeit des Glücks zugleich – ein federleichter und tröstlicher Roman voll großer Lebensweisheit.

 

Die Welt meint es nicht gut? Das ist nicht der Tenor der Geschichte, wie ich finde: Die Welt ist, wie sie ist. Manches hat man selbst in der Hand, viel mehr jedoch nicht. An dieser Erkenntnis kann man zerbrechen, wie es der Dorayaki-Verkäufer Sentaro mehrmals beinahe tut. Oder man versucht, in jeder Situation Hoffnung und ein kleines Glück zu finden und sein Stückchen Welt  nach Kräften mitzugestalten, wie es Tokue gelingt, die in einem Sanatorium für Leprakranke lebt und erst seit Aufhebung des Gesetzes zur Zwangsquarantäne wieder Kontakt zur Außenwelt haben darf. (Wen der menschenverachtende Umgang mit Leprakranken in Japan noch bis in die 1990er Jahre interessiert, dem sei dieser Artikel ans Herz gelegt). Tokue vermittelt Sentaro, dass jeder Mensch sein Päckchen zu tragen hat, dass für ein erfülltes Leben aber der Umgang damit entscheidend ist. Sie bringt ihn in großmütterlicher Weisheit dazu, über seinen Tellerrand hinauszusehen, andere wahrzunehmen, das Leben in all seinen Facetten anzunehmen und für sich eine Perspektive zu finden.

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So leichtfüßig und in solch einer klaren Sprache erzählt dieser kleine Roman von den Schwierigkeiten des Lebens. Dabei auch niemals melancholisch oder anklagend, sondern annehmend und versöhnlich. Und neben einem unerfreulichen Kapitel japanischer Geschichte erfährt man auch beiläufig etwas über japanische Alltagskultur und viel über japanisches Essen –  wie neugierig bin ich auf dieses Mus aus roten Bohnen! Ich hoffe sehr, dass ich irgendwann einmal die Gelegenheit dazu haben werde, es zu probieren. Vielleicht in einem kleinen Imbiss in Tokio, in den im Frühling die Kirschblüten wehen und der im Sommer vom ausladenden Grün eines Kirschbaums beschattet wird? Wer weiß, wo mich das Leben noch hinverschlägt …

Ich wünsche euch alles kleine Glück dieser Welt.

Eure Miriam

Das Buch: Durian Sukegawa (2013): Kirschblüten und rote Bohnen, Dumont Verlag, 219 Seiten.