Glücklicher Zufallsfund oder Aprikosenschnecken mit Marzipan

Ihr Lieben,

wenn ihr mir auf Instagram folgt, dann könnt ihr euch vielleicht noch an die Verschenkaktion in meinem Haus erinnern: Jemandem wucherte die Minze zu übermütig auf dem Balkon und dieser Jemand suchte dann mit einer netten Nachricht im Hauseingang ein neues Zuhause für sie. In der darauffolgenden Zeit standen hin und wieder Kisten mit überflüssig gewordenem Hausstand, meist altes Besteck und Küchengerät, im Eingangsbereich herum und warteten auf neue Besitzer. Uninteressant für mich, bis einmal eine ganze Kiste voll mit Kaffeegeschirr aus Porzellan dort stand. Daran konnte ich nicht vorbeigehen und so darf ich nun zwei Teller Indisch Blau von Bareuther mein Eigen nennen. Die restlichen acht Teller, sechs Untertassen und sechs Tassen des Sets habe ich großzügigst dem Finder nach mir überlassen, denn so viel Geschirr kann ich leider nicht in meiner Küche unterbringen. Das sehr hübsche Blumendekor ist laut Wikipedia sehr beliebt. Jede Porzellanfabrik, die etwas auf sich hält, hat seit dem 19. Jahrhundert eine Linie mit diesem Muster im Repertoire und nennt sie Strohblumen, Friesisch Blau oder eben Indisch Blau. Die sehr reduzierte Form, wie sie sich auch auf meinen Tellern findet, rührt daher, dass der Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Porzellanfabriken sehr groß war und immer nach Möglichkeiten gesucht wurde, die Produktion zu verbilligen. Aber mir gefällt gerade das Einfache, Reduzierte. Ein bisschen geblümt, ein bisschen blau, ein bisschen retro und genau perfekt, um darauf fluffige Hefeschnecken mit Aprikosen und Marzipan zu präsentieren.

Das Marzipan macht die Schnecken süß und saftig, dominiert aber nicht, weil Zitronenschale in der Füllung und die Aprikosen ausbalancieren mit sommerlicher Frische. Der Teig ist sehr weich, buttrig und wenig süß. Am besten sind die Schnecken lauwarm frisch aus dem Ofen, aber auch abgekühlt schmecken sie vorzüglich, mit Vanilleeis oder pur, mit Kaffee oder Milch, je nach Vorliebe.

Hefeschnecken mit Aprikosen und Marzipan

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Die angegebenen Mengen passen genau für eine Springform von 26 cm Durchmesser oder zehn Schnecken.

Zuerst den Vorteig bereiten. Dazu 250g Mehl in eine Schüssel abwiegen und eine Mulde hineindrücken. 125ml Milch erwärmen (sie darf nicht heißer als handwarm sein, sonst quittiert die Hefe ihren Dienst) und in die Mulde gießen. 21g Hefe (also einen halben Würfel) hineinbröckeln. 30g Zucker abwiegen und davon einen Esslöffel in die Milch streuen. Dann mit einer Gabel so lange die Hefe mit der Milch verquirlen, bis sie sich aufgelöst hat. Den Vorteig abgedeckt an einem warmen Ort ungefähr 20 Minuten gehen lassen beziehungsweise so lange, bis sich die Hefemilch in eine fluffig-schaumige Masse verwandelt hat.

Für den Hefeteig den restlichen Zucker, 30g weiche Butter und ein Eigelb zum Vorteig geben. Das Eiweiß dabei unbedingt aufbewahren, das wird für die Füllung noch benötigt. Alles miteinander vermischen (mit Küchenmaschine oder Rührgerät) und kneten, bis sich der Teig von der Schüssel löst und er sich weich, elastisch und nicht klebrig anfühlt. Das dauert je nach Leistung von Handrührgerät, Küchenmaschine oder Bizeps (meine Oma schlägt ihren Hefeteig immer noch oft per Hand) fünf bis zehn Minuten. Dann den Teig abgedeckt eine Stunde gehen lassen oder so lange, bis er sein Volumen verdoppelt hat.

Während der Teig geht, die Füllung zubereiten. Dafür 170g-200g Marzipan (je nachdem, wie intensiv ihr den Marzipangeschmack haben mögt) in Stücke schneiden und mit dem Handrührgerät weich rühren. Dann ein Eiweiß einrühren sowie  2 EL Sahne, um das Marzipan geschmeidig zu machen. So lange schlagen, bis die Masse cremig und homogen wird. Dann die Schale einer halben Zitrone abreiben und unterrühren.

Außerdem 350g- 400g Aprikosen waschen, entsteinen und klein würfeln.

Wenn der Teig sein Volumen verdoppelt hat, aus der Schüssel nehmen, auf der bemehlten Arbeitsfläche noch einmal kurz durchkneten und dann zu einem etwa ein Zentimeter dicken Rechteck ausrollen. Die Marzipanmasse darauf verstreichen und die Aprikosenwürfel gleichmäßig darauf verteilen. Anschließend von der langen Seite her aufrollen und mit einem scharfen Messer in Scheiben schneiden. In lockerer Anordnung in einer Springform verteilen. Wichtig ist, darauf zu achten, dass die Scheiben nicht zu dünn bemessen sind, sonst kann man sie nicht schön in die Form setzen. Noch einmal zudecken und ein letzes Mal gehen lassen, dieses Mal eine halbe Stunde.

Den Ofen auf 160°C Ober- und Unterhitze vorheizen und den Hefeschneckenkuchen ungefähr 45 Minuten backen, bis er eine appetitliche goldgelbe Farbe hat und Marzipanduft durch die Wohnung zieht. Wer mag, kann die Schnecken dann noch mit Zuckerguss oder Frosting zu überziehen. Ich habe mich hier aber dazu entschieden, mit gar nichts zu glasieren, denn ich wollte puren Aprikosen- und Marzipangeschmack und keine klebrigen Finger beim Essen.

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Und voilà, die Schnecken sind perfekt geworden. Perfekt, um sie an einem heißen Sommertag beim Picknick am See zu verspeisen oder sie etwas gediegen zum Nachmittagskaffee von Indischblau-Porzellantellern zu naschen. Je nach Anlass und Anforderung kann man sie entweder auseinanderzupfen, wie ich es auf den Fotos gemacht habe, oder man schneidet sie in Stücke wie einen Kuchen. Dann kommt die Maserung der Füllung auch gut zur Geltung. Ein Kuchen für alle Lebenslagen also und für wirkliches kleines Glück.

Und genau das wünsche ich euch, wie immer: Alles kleine Glück dieser Welt.

Eure
Miriam

 

 

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Ausflugsziel Mostbauer oder Rhabarbervanillestreusel

Ihr Lieben,

Passau preist sich selbst als die Dreiflüssestadt und liegt, zugegebenermaßen ziemlich malerisch, am Zusammenfluss von Inn und Donau. Der Inn, der mit seinem manchmal schlammbraunen, manchmal fast saphirgrünen Wasser zwischen Österreich und Passau alle kleinen und größeren Dörfer und Städte verbindet, die für mich Heimat sind und Donau, mit der ich kaum mehr verbinde, als dass sie ziemlich tief, träge und immer schwarzbraun ist und dem Inn den Namen klaut. Der dritte Fluss ist die Ilz, ein kleines, idyllisches Flüsschen.

Fährt man nun von Passau aus auf der österreichischen Seite des Inns ein Stück Richung Wernstein und Schärding, kommt man an dem „Mostausschank Unterer Inn“ vorbei. Das ist ein Bauernhof mit einer kleinen Milchwirtschaft, dessen Besitzer die einträgliche Idee hatten, im Sommer Radfahrer und die Passauer Studenten in dem kleinen Biergarten vorm Haus mit selbst gekeltertem Most (pur oder gspritzt) und Jause (also Brotzeit) zu versorgen. Es fühlt sich für mich immer wie die pure Idylle an, an einem der paar Tische zu sitzen, links davon der Gemüsegarten der Wirtsfamilie, geradeaus Bienenstöcke, jetzt im Frühling blühende Apfelbäume und dahinter der Fluss, den auf der gegenüberliegenden Seite sattgrüne, dicht bewaldete Hänge säumen.

Die Brotzeit ist wirklich sehr zu empfehlen und wenn einen dann mit dieser Aussicht nach einem Brotzeitteller und einer Portion Erdäpfel- und Topfenkas noch der Nachspeisenhunger überkommt, gibt es Povesen und einfache Rührkuchen mit Obst der Saison. Momentan ist Rhabarberzeit, deswegen gibt es – Überraschung – Rhabarberkuchen. Den mag ich, aber umso mehr mag ich es, wenn der Rhabarber mit seiner Säure eingebettet ist in einen samtigen Guss, so wie in diesem Rezept hier.

Weil ich also dringend Rhabarkuchen backen wollte, aber keine Lust hatte auf Mürbteig-Knet- und Bastelarbeit mit butterfettigen Händen und Teig überall hatte, habe ich einen Rhabarberstreuselkuchen mit Vanillequarkcreme gebacken, der so gut geworden ist, dass ich ihn mit euch teilen möchte. Die leicht süße, vanillige Quarkcreme bildet einen mindestens so perfekten Kontrast zu dem säuerlichen Rhabarber wie Rahmguss und die Streusel knuspern zart. Hach, das ist Kuchenglück.

Rhabarberstreuselkuchen mit Vanillequark und Streuseln

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Für eine Springform von 24cm Durchmesser

500g Rhabarber waschen, putzen, die großen Stangen grob schälen und in Scheiben schneiden. Mit 2 Esslöffel Zucker mischen und etwas ziehen lassen.

Für den Boden 100g Butter mit 80g Puderzucker und einem Päckchen Vanillezucker cremig schlagen. Nacheinander 2 Eier hinzufügen. 125g Mehl mit einem Teelöffel Backpulver mischen und unter die Butter-Zucker-Masse rühren.

Für die Käsekuchenmasse 350g Quark mit 150g Vanillejoghurt, 35g Speisestärke, einem Esslöffel Puderzucker und einem Päckchen Vanillezucker verrühren. Die Masse ist recht standfest, deswegen noch so viel Milch zugießen, bis sie cremig wird. Das waren bei mir ungefähr 50ml, ich habe aber nicht abgemessen.

Für die Streusel 75g Butter mit 65g braunem Zucker (weißer Zucker geht auch, aber ich finde, Streusel werden mit braunem Zucker noch knuspriger) und 100g Mehl verkneten.

Jetzt die Rührteigmasse in die Springform streichen und darauf die Quarkcreme. Dann den Rhabarber abtropfen lassen und auf dem Kuchen verteilen. Abschließend die Streusel drüberbröseln.

Im Backofen bei 175°C Ober- und Unterhitze ca. 50 Minuten backen.

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Der Mostausschank ist übrigens definitiv kein Geheimtipp im Sommer, vor allem nicht während der Semesterzeit. Mittags bekommt man aber normalerweise gut einen Tisch und abends rückt man gern zusammen, damit alle Platz haben.

Ich wünsche euch alles kleine Glück.

Eure
Miriam

 

Rote-Linsen-Suppe oder Essen mit Brot

Ihr Lieben,

vor Kurzem war ich mit lieben Freundinnen in Schwabing im Blue Nile, einem kleinen Restaurant mit äthiopischer Küche. Wenn man reinkommt, umfängt einen die gemütliche, familiäre Atmosphäre und es duftet undefinierbar, aber köstlich nach den unterschiedlichsten Gewürzen. Von der Bestellung hab ich mich überraschen lassen und  einfach die gemischte vegetarische Platte genommen – da ist von allem etwas drauf. Namentlich zwei verschiedene Linsengerichte, Grünkohlgemüse und noch mehr Gemüse, das mit viel Öl und Kurkuma gebraten ist. Serviert wurde das Essen für drei Personen auf einer Platte, die mit typisch äthiopischen Sauerteigfladenbrot ausgelegt war, damit die Gerichte nicht direkt auf dem Blech lagen. So weit, so gut, so appetitlich angerichtet.

Besonders an diesem Restaurant ist nun, dass es kein Besteck gibt. Man isst mit Brot. Gut, man kann sich schon einen Löffel an den Tisch bringen lassen, aber möchte man wirklich der einzige Mensch im Raum zu sein, der nicht fähig oder nicht willens ist, zu seinen Wurzeln zurückzukehren und seine Finger als Essbesteck zu benutzen? Ich nicht. Außerdem bin ich immer offen gegenüber neuen (kulinarischen) Erfahrungen. Also hab ich meine Hand mit dem pfannkuchenartigen Sauerteigbrot ausgelegt und versucht, meine Finger wie eine Zange zu benutzen. Das ist gar nicht so einfach, wenn das Brot keinen Widerstand bietet und sich das Objekt der Esslust durch seine fast breiige Konsistenz hartnäckig dem Zugriff entzieht. Und da ich außerdem generell lieber fünfmal so viel Brei/Curry/Eintopf wie zugehörige Beilage (Reis oder in diesem Fall Brot) esse, hab ich meine kläglichen Versuche bald aufgegeben und ganz mit den Fingern gegessen. Das war eine sehr interessante Erfahrung. Von oben bis unten voll mit Grünkohl, Öl und mit gelben Fingern von den Gewürzen bekommt der Spruch „Genießen mit allen Sinnen“ noch einmal eine ganz neue Dimension. Nein, ich bin kein Fan davon. Ich mag Besteck. Und damit meine ich jetzt nicht Fischmesser,  Honig- und Kiwilöffel, Konfektgabeln und Hummerbesteck. Nur ein Löffel tut es auch.

Ich muss hinzufügen, wenn ich jetzt auf Reisen wäre zum Beispiel in Äthiopien, wo die Menschen mit ihren Fingern und mit Brot essen, dann würde ich das selbstverständlicherweise auch tun. Aber ich bin sicher, dort gäbe es dann auch jemanden, der mir zeigen würde, wie das geht und ich wäre nicht von lauter Menschen umgeben, die das letzte Mal im Alter von drei Jahren so genussvoll mit den Händen im Essen herumgestochert haben.

Inspiriert von den ebenso ungewöhnlichen wie schmackhaften Gerichten auf Linsenbasis, die es dort gab, hatte ich mal wieder dringend Lust auf Suppe aus roten Linsen. Und, was soll ich sagen? Sie ist perfekt geworden. Es darf zum Löffel gegriffen werden!

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Rote-Linsen-Suppe mit Joghurt, Sesam und Fladenbrot

Eine Zwiebel, zwei große Karotten und eine Zehe Knoblauch schälen und klein schneiden. In Olivenöl andünsten, dann 250g rote Linsen dazugeben. Kurz mitbraten, dann mit einem Teelöffel Harissa bestäuben. Außerdem noch mit etwas Salz, gemahlenem Koriander und Kreuzkümmel würzen. Verrühren, mit einer Dose Tomaten und ungefähr 600ml Wasser aufgießen. Ungefähr 20 Minuten köcheln lassen beziehungsweise so lange, bis das Gemüse weich ist. Dann zwei Esslöffel Crème Fraîche unterrühren. Mit Salz, Koriander und Kreuzkümmel abschmecken. Am Schluss noch eine Handvoll gehackte Petersilie unterrühren.

Mit geröstetem Sesam, Naturjoghurt und Fladenbrot servieren.

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Alles kleine Glück dieser Welt wünsche ich euch – so wie es für mich ein kleines Glück ist, mit lieben Menschen neue Restaurants und Essgewohnheiten zu entdecken. Trotz ziemlicher esstechnischer Startschwierigkeiten.

Eure Miriam

Japanisches Bohnenmus oder die Gabe meiner Oma

Ihr Lieben,

seit ich denken kann, bekomme ich von meiner Oma ein Buch zu Geburtstag und Weihnachten. Sie hat die Gabe, immer wieder kleine Schätze zu finden, die ich besonders mag und die genau meinen Geschmack treffen. Manchmal, wenn sie Bücher verschenkt, die auch sie interessieren, liest sie sie, noch bevor sie in Geschenkpapier liebevoll eingewickelt den Besitzer wechseln. Sehr behutsam, damit auch ja nicht zu viel Luft zwischen die Seiten gelangt und keine Knicke im Buchrücken sie verraten. Dann können wir, wenn ich die Geschichte ebenfalls zu Ende gelesen habe, über die Güte der Erzählung im Allgemeinen und die Sinnhaftigkeit der Handlung und die Figurenzeichnung im Besonderen diskutieren, was ich sehr schätze.

Hin und wieder empfiehlt mir meine Oma ein Buch außerhalb der alljährlichen Beschenkung und leiht mir gern etwas aus der umfangreichen Bibliothek, die meine Großeltern ihr Eigen nennen. So auch das Buch, das ich euch heute vorstellen möchte.

Kirschblüten und Rote Bohnen

Das Wunder der Freundschaft

Sentaro ist gescheitert. Er ist vorbestraft, er trinkt zu viel, und sein Traum, Schriftsteller zu werden, ist unerfüllt geblieben. Stattdessen arbeitet er in einem Imbiss, der Dorayaki verkauft: Pfannkuchen, die mit einem süßen Mus aus roten Bohnen gefüllt sind. Tag für Tag steht er in dem Laden mit dem Kirschbaum vor der Tür und bestreicht lustlos Gebäck mit Fertigpaste. Bis irgendwann die alte Tokue den Laden betritt. Die weise, aber sichtlich vom Leben gezeichnete Frau kocht die beste Bohnenpaste, die man sich nur denken kann. Auch deshalb verändert die Begegnung mit ihr alles, denn Tokue lernt Sentaro ihre Kunst. Wenig später wird Wakana, ein Mädchen aus schwierigen Verhältnissen, zur Stammkundin des Imbisses und schließt Freundschaft mit Tokue und Sentaro. Doch die Welt meint es nicht gut mit den beiden …

Durian Sukegawa erzählt von der Unnachgiebigkeit des Schicksals und der Möglichkeit des Glücks zugleich – ein federleichter und tröstlicher Roman voll großer Lebensweisheit.

 

Die Welt meint es nicht gut? Das ist nicht der Tenor der Geschichte, wie ich finde: Die Welt ist, wie sie ist. Manches hat man selbst in der Hand, viel mehr jedoch nicht. An dieser Erkenntnis kann man zerbrechen, wie es der Dorayaki-Verkäufer Sentaro mehrmals beinahe tut. Oder man versucht, in jeder Situation Hoffnung und ein kleines Glück zu finden und sein Stückchen Welt  nach Kräften mitzugestalten, wie es Tokue gelingt, die in einem Sanatorium für Leprakranke lebt und erst seit Aufhebung des Gesetzes zur Zwangsquarantäne wieder Kontakt zur Außenwelt haben darf. (Wen der menschenverachtende Umgang mit Leprakranken in Japan noch bis in die 1990er Jahre interessiert, dem sei dieser Artikel ans Herz gelegt). Tokue vermittelt Sentaro, dass jeder Mensch sein Päckchen zu tragen hat, dass für ein erfülltes Leben aber der Umgang damit entscheidend ist. Sie bringt ihn in großmütterlicher Weisheit dazu, über seinen Tellerrand hinauszusehen, andere wahrzunehmen, das Leben in all seinen Facetten anzunehmen und für sich eine Perspektive zu finden.

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So leichtfüßig und in solch einer klaren Sprache erzählt dieser kleine Roman von den Schwierigkeiten des Lebens. Dabei auch niemals melancholisch oder anklagend, sondern annehmend und versöhnlich. Und neben einem unerfreulichen Kapitel japanischer Geschichte erfährt man auch beiläufig etwas über japanische Alltagskultur und viel über japanisches Essen –  wie neugierig bin ich auf dieses Mus aus roten Bohnen! Ich hoffe sehr, dass ich irgendwann einmal die Gelegenheit dazu haben werde, es zu probieren. Vielleicht in einem kleinen Imbiss in Tokio, in den im Frühling die Kirschblüten wehen und der im Sommer vom ausladenden Grün eines Kirschbaums beschattet wird? Wer weiß, wo mich das Leben noch hinverschlägt …

Ich wünsche euch alles kleine Glück dieser Welt.

Eure Miriam

Das Buch: Durian Sukegawa (2013): Kirschblüten und rote Bohnen, Dumont Verlag, 219 Seiten.

 

 

 

Ansichten einer Studentin oder Schoko-Erdnuss-Tassenkuchen

Meine Lieben,

nun hat auch für die Studenten – entschuldigt, natürlich die Studierenden – der Universitäten die Vorlesungszeit wieder begonnen und somit auch für mich. Und ich muss sagen, so sehr ich die freie Zeit während der Semesterferien genieße, so sehr mag ich es auch, wenn die festen Termine der Uni die Tage strukturieren.  Insbesondere, dass mein Hirn nicht mehr im Leerlauf laufen muss und wieder regelmäßig Input außerhalb von Serien, von den Onlineauftritten der großen Tageszeitungen und von mehr oder minder hochwertigem Fernsehprogramm bekommt. Dass ich wieder gezwungen bin, mich mit Themen intensiv auseinanderzusetzen und mich richtig in Dinge einzuarbeiten. Vielleicht sollte ich die Uni als mein Hobby bezeichnen – vor allem, weil in diesem meinem ziemlich fortgeschrittenen Semester fast nur noch Dinge auf dem Plan stehen, die ich freiwillig belege. Aber das ist dann wohl doch zu weit gegriffen. Lasst es mich so zusammenfassen: Ich lerne sehr gerne neue Dinge, aber es hilft, wenn mich eine gewisse Notwendigkeit von außen dazu bewegt. Ich meine, wer geht schon alleine freiwillig in die Bib, setzt sich hin und arbeitet einen (oder zwei oder drei…) Schinken zur Deutschen Literaturgeschichte durch? Oder lernt autodidaktisch Italienisch?  Oder setzt sich mit reformpädagogischen Konzepten von Schule auseinander? Eben. Niemand. Oder zumindest niemand, den ich kenne. Ihr dürft mich sehr gerne eines Besseren belehren, ich verneige mich vor jedem ehrfürchtig, der sich selbst so motivieren kann. Ich kann es nicht. Klassisch extrinsisch motiviert also.

Nun, da die Uni wieder begonnen hat und ich daneben noch arbeite und deswegen nicht mehr ganz so viel Zeit für ausufernde Koch- und Backprojekte habe, müssen Aufenthalte in der Küche zumindest unter der Woche möglichst effektiv sein – das heißt, mit möglichst wenig Aufwand zubereitet. Da ich zu den Hauptmahlzeiten sehr gern Nudeln esse und meine Nudelsaucen meist sehr unaufwendig sind,  betrifft das vor allem Gebäck. Vor allem deshalb, weil der Heißhunger auf Kuchen und Süßes im Allgemeinen wieder exponentiell ansteigt, je mehr Arbeit ich habe und direkt korreliert mit der Zeit, die ich am Schreibtisch verbringe. Ein super schneller und super schokoladiger kleiner Tassenkuchen aus der Mikrowelle ist die Lösung. Mit Schokocreme. Und Erdnussbutter.

Zur Schokocreme muss ich noch sagen – ich habe den Ovomaltine Schoko Aufstrich benutzt, der macht durch die Stückchen, die da drin sind, ein bisschen Crunch. Da ich mir aber gut vorstellen kann, dass den nicht jeder zuhause hat, behaupte ich, ohne es jedoch ausprobiert zu haben, dass es bestimmt genauso gut mit Nutella funktioniert. Genau so kann ich mir Blaubeeren oder Himbeeren gut drin vorstellen. Oder man lässt die Erdnussbutter weg und nimmt stattdessen einen Esslöffel mehr Schokocreme. Oder mischt noch backfeste Schokodrops unter. Oder serviert ihn mit geschlagener Sahne.

Ich sehe schon, ich muss noch sehr oft Schokokuchengelüste mit diesem Tassenkuchen stillen, bis ich alle Variationen durchhabe, die mir einfallen. Heute aber erstmal die ursprüngliche, bereits geteteste und für gut befundene Version mit Ovomaltine und Erdnussbutter. Sehr schokoladig, genau das richtige Bisschen erdnussig, sehr saftig und am besten lauwarm direkt aus der Mikrowelle.

Erdnuss-Schoko-Tassenkuchen aus der Mikrowelle

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Das Rezept reicht für eine mittelgroße, ca. 300ml fassende Tasse. Genau die richtige Portion für mich bei großem Schokoladenhunger.

1 Ei (Größe M) in eine Tasse schlagen. 1,5 gehäufte Teelöffel Mehl, einen gehäuften Teelöffel Kakao und einen Teelöffel Zucker darauf geben. Dann einen großzügigen Esslöffel Ovomaltine Schoko Aufstrich, einen ebenso großzügigen Teelöffel Erdnussbutter und drei Teelöffel Milch in die Tasse geben. Mit einem Löffel oder einer Gabel rasch zu einem glatten Teig verrühren.

Dann in der Mikrowelle auf höchster Stufe ungefähr eine Minute backen. So lange, bis der Kuchen aufgegangen ist  und auf Druck leicht nachgibt. Das ist von Mikrowelle zu Mikrowelle unterschiedlich. Auf keinen Fall zu lange backen, da der Kuchen dann sehr fest und gummiartig wird und kaum noch genießbar ist. Wollt ihr euren Tassenkuchen mit flüssigem Kern, dann sind auch ca. 50 Sekunden Backzeit ausreichend.

 

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Ich wünsche euch alles kleine Glück dieser Welt!

Eure Miriam

Bananen-Dattel-Kuchen oder Bücher für den guten Zweck

Ihr Lieben,

erinnert ihr euch an den letzten Blogbeitrag? Die Buchrezension und meine Ankündigung, daraus ein Rezept vorzustellen, das mich überrascht und ziemlich überzeugt hat? In dem Bananen und Datteln und Haselnüsse eine Rolle spielen? Voilà, hier kommt es, mit – ihr habt es bestimmt schon erraten – Bananenkuchen. Und zwar dem lockersten und saftigsten Bananenkuchen, den ich jemals selbst gebacken habe.

Valerie (für alle, die den vorherigen Beitrag nicht gelesen haben: eine der Hauptfiguren,, eine begnadete Köchin) kündigt das Rezept an als schnell zusammengerührt, perfekt für Familien und Kindergeburtstage. Letzteres kann ich nicht beurteilen, aber schnell gemacht ist er auf jeden Fall. Und er kommt dazu noch ohne zusätzlichen Zucker aus, weil die Bananen und die Datteln mehr als genug eigene Süße haben. Außerdem ist er super saftig und locker – ich weiß, ich wiederhole mich, aber das ist wirklich wichtig für mich. Bei meinen letzten Banana Bread-Versuchen war ich nämlich nie ganz glücklich mit der Konsistenz, sie waren immer sehr fest, fast schon klatschig. Ich glaube, das Geheimnis ist, die Bananen nicht vollkommen zu Brei zu zermatschen, sondern nur so grob, dass neben Bananenmus noch Stücke bleiben. Die Rosinen im Teig kann man natürlich weglassen, wenn man nicht von der Rosinenliebhaberfraktion ist, zu der ich definitiv gehöre. Sie sind nicht essentiell für den Geschmack und die Süße.

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Bananen-Dattel-Kuchen nach Art der Valerie

Die Zutaten reichen für eine kleine Kastenform. Möchte man eine ganze Familie oder einen Kindergeburtstag versorgen, wie Valerie es vorschlägt, dann die Mengen am besten verdoppeln.

175g getrocknete Datteln der Länge nach halbieren und dann in Scheiben schneiden. 85g Weizenmehl, 40g gemahlene Haselnüsse, 2 Teelöffel Zimt, 2 Teelöffel Backpulver und eine Handvoll Rosinen mischen. Die Datteln unterheben. 2 sehr reife Bananen in einer Schüssel grob zerdrücken. 50g Butter zerlassen, zusammen mit einem Ei unter die Bananen rühren. Dann rasch mit den trockenen Zutaten vermischen.

In eine gefettete und bemehlte Kastenform füllen, mit gehobelten Mandeln bestreuen und bei 180°C Ober- und Unterhitze zwischen 40 und 50 Minuten backen.

 

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So gut der Kuchen ist, so zwiespältig bin ich, was die Qualität des Buches anbelangt. Ich habe schon seit Längerem beschlossen, mein übervolles Bücherregal auszusortieren und da wird „Valerie kocht“ ebenfalls dazugehören. Eigentlich würde ich gerne alle behalten und expandieren, aber das ist aus platztechnischen Gründen in meiner Wohnung nicht möglich. Also müssen nicht ganz so liebgewonnene Bücher raus und ich bin sehr froh, dass ich eine Möglichkeit gefunden habe, ihnen eine neue Heimat zu geben. Ich tue mich nämlich sehr schwer damit, Bücher einfach wegzuwerfen. Egal, wie wenig sie mir gefallen haben, Geschichten haben es nicht verdient, in der Mülltonne zu landen und mit zerfledderten Seiten und fleckigen Buchdeckeln in eine Müllverbrennungsanlage zu wandern.

Ich habe in Passau  einen kleinen Bücherladen entdeckt, der für einen guten Zweck Bücher aus zweiter Hand verkauft. Jeder kann dorthin spenden, die Bücher werden dann auf Qualität überprüft und wieder zum Verkauf angeboten. Das Besondere daran ist, dass man nur so viel für ein Buch zahlt, wie man möchte, wie man den Wert des Buches einschätzt. Die Einnahmen gehen an soziale und caritative Einrichtungen im Raum Passau. Ich finde, das ist eine sehr gute, unterstütztenswerte Idee und ich werde mich sehr bald mit einem Sack voll Bücher dort einfinden. Und hoffentlich mit weniger wieder herauskommen, als ich hingebracht habe.

Der Verein, der den Laden betreibt, nennt sich BookAid Passau. Er liegt in der Innstadt, genauer in der Schmiedgasse 16. Genauere Informationen über den Verein und seine Tätigkeiten findet ihr hierUnd für alle, die nicht in Passau wohnen: Die Initiative BookAid ist eine weltweit agierende mit Ursprung in Großbritannien. Ihr findet also bestimmt in allen kleineren und größeren Städten solche oder ähnliche Projekte.

Alles kleine Glück der Welt wünsche ich euch, diesmal mit einem guten Buch und einem Stückchen Kuchen.

Eure Miriam

 

 

Blaubeer-Zitrone-Muffins oder Mit Mörikes Worten

Ihr Lieben,

ich mag den Frühling. Die Wärme, die langsam wieder kommt und es möglich macht, das man auch mal ohne Mütze das Haus verlässt. Die ersten Farbtupfer, wenn Krokusse und Schneeglöcklchen blühen. Das erste satte Grün, wenn sich die Wiesen beginnen zu erholen und der übermütige Schnittlauch auf meinem Balkon schon fleißig treibt. Die knospenden Bäume, die Vögel, die mit ihrem Gezwitscher wieder die Morgen einläuten. Der erdige, nasse Geruch, wenn man durch die Wiese und im Wald spazieren geht. Einfach dieses Erwachen der Natur, diese Vorbereitung, dieser Aufbruch, diese Absage an den toten Winter ist es, was mich jedes Jahr fasziniert und mir viel Energie mitgibt.

Oder, um es mit Mörikes Worten zu sagen, der alles Tolle am Frühling in so wenigen Worten konzentriert:

Frühling lässt sein blaues Band/ wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte/ streifen ahnungsvoll das Land.

Leider bin ich keine Dichterin und deswegen kann ich weder eine Ode an den Frühling noch an die Muffins schreiben, die ich euch heute mitgebracht habe. Aber lasst mich trotzdem eine prägnante Beschreibung dieses Gebäcks versuchen, das euch den Frühlingsanfang versüßen und das Osterfrühstück (im Falle, dass ihr Ostern feiert) oder das erste Frühlingspicknick im Freien oder einfach die Kaffeetafel zieren kann.

Das Höchste an diesen Muffins sind (neben den Blaubeeren natürlich) die Streusel, die mir so knusprig wie noch nie gelungen sind. Der Streuselteig ist recht bröslig und hat einen vergleichsweise niedrigen Butteranteil. Das ist es, was es problemlos möglich macht, ihn über den Muffinteig zu streuen und somit zwar recht kleine, aber sehr feine, knusprige und nur zart nach Butter schmeckende Streusel zu erhalten. Und die toppen diese sehr saftigen, blaubeerigen und leicht zitronigen Muffins auf’s Vorzüglichste.

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Blaubeer-Zitrone-Muffins mit Knusperstreusel

Für die Streusel 50g Zucker und 50g Butter mit 100g Mehl verkneten. Der Teig wird, wie schon erwähnt, recht bröselig. Es sollten sich schon kleine Klumpen formen lassen, aber er muss nicht so fest zusammenhalten wie ein Mürbteig. 30 Minuten im Kühlschrank kalt stellen.

Für die Muffins 1 Ei mit 65g Zucker in einer Schüssel verrühren. 125 ml Buttermilch, 125 ml Milch und 75 ml Sonnenblumenöl dazugeben und zusammen mit der abgeriebenen Schale von einer Zitrone unterrühren. Dann 250g Mehl und 3 gestrichene Teelöffel Backpulver vermischen und rasch mit den flüssigen Zutaten verrühren. Zwei kleine Gläser oder ein großes Glas Blaubeeren abgießen, abtropfen lassen und unter den Teig heben.

In Muffinförmchen verteilen, die Streusel darüber streuseln und bei 180°C Ober- und Unterhitze ungefähr 25 Minuten backen.

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Mir ist das Rezept vor allem deswegen so ein kleines Glück, weil ich ein bisschen daran herumgetüftelt habe. Sonst waren mal die Streusel zu schwer mit zu viel Butter, dann wieder war zu viel Buttermilch drin oder zu wenig Blaubeeren. Jetzt hab ich für mich das perfekte Rezept gefunden. Am besten schmecken die Muffins noch lauwarm frisch aus dem Ofen, mit Vanille- oder Maple Walnut Eis. Und weil sie sich auch eignen, eine Frühstückstafel zu schmücken, mache ich mit diesem Rezept mit bei dem Blogevent #diyosterbrunch von Jules Moody, Yvonne von Mohntage, PaulsVera und Anika von Vergissmeinnicht.

Lasst es euch gut gehen, ich wünsche euch alles kleine Glück dieser Welt.

Eure Miriam