Eine neue Rezension oder Fast ein Kochbuch

Ihr Lieben,

heute stelle ich euch ein Buch vor… nicht ganz so überschwänglich wie in den vorigen Rezensionen, aber auf jeden Fall empfehlenswert, wenn man das Kochen liebt und etwas zum Schmökern für einen Nachmittag in der Sonne sucht. Bevor ich darauf näher eingehe, hier erst mal Titel und Klappentext.

Valerie kocht

Vom Sinn des Lebens und der Sinnlichkeit des Kochens

Nell wächst in einer Welt der Phantasie auf: Springende Bockwürste sorgen für Chaos in der Küche, und ein Küchenunfall war schuld am Tod ihres Vaters. Das behauptet jedenfalls Valerie, Nells Mutter. Als Erwachsene distanziert sich Nell von Valerie, die versponnenen Geschichten bringen sie zur Weißglut. Erst als Valerie schwer erkrankt, kommen die ungleichen Frauen sich wieder näher. Ein letztes Mal versucht Nell, ihrer Mutter die Wahrheit über ihre Kindheit zu entlocken. Doch Valerie redet nicht – sie kocht. Und Nell begibt sich auf eigene Faust auf Spurensuche …

Ein bisschen stereotyp ist sie, diese Geschichte – der Freund von Nell ist ein knallharter, gefühlloser Analytiker, aber er sieht gut aus, hat viel Geld und ist eine allgemein gute Partie. Der junge, braungebrannte, ebenso gutaussehende Gärtner ist unvermeidlich gefühlvoll, Retter in der Not und am Ende (das kann ich euch verraten, ist eh von Anfang an klar) natürlich doch die bessere Partie. Die Mutter lebt so sehr in ihrer eigenen Welt, dass die Glaubwürdigkeit weit über grenzwertig ist und man möchte sie schütteln, damit sie endlich auch etwas anderes preisgibt als phantastische Geschichten – das alles hat mich dazwischen fast schon ein wenig geärgert. Aber das Ende, das ich euch hier natürlich nicht verraten werde, Spoiler sind schließlich allgemein verpönt, stimmt versöhnlich und hinterlässt ein warmes Gefühl. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Vorhersehbarkeit des Plots. Alles in allem eine leichte Sommerlektüre, wenig anspruchsvoll und süß wie eine Praline.

Womit wir beim Thema wären: Ein riesiger Pluspunkt dieser Geschichte ist es, dass das Kochen und Backen so liebevoll und sprühend vor Ideenreichtum und Zuneigung dargestellt wird. Valerie kocht und backt sich durch das gesamte Buch, für alle Nachbarn, für ihre Tochter Nell und den Gärtner und zwar in so leuchtenden Farben, dass ich nicht umhin konnte, sofort den Backofen anzuwerfen, nachdem ich es fertig gelesen und beiseite gelegt hatte.

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Welches Rezept ich gebacken habe, verrate ich euch noch nicht – nur so viel: es ist aus dem Rezeptfundus von Valerie – und schmeckt genauso köstlich, saftig und süß, wie es im Buch beschrieben ist. Und es sind Bananen drin. Und Datteln. Und Haselnüsse. Aber jetzt hör ich auf zu spoilern. Das Wort kommt übrigens vom englischen „to spoil“ und bedeutet „verderben“. Wie passend!

Ich wünsche euch alles kleine und große Glück dieser Welt – vielleicht mit dieser kleinen Geschichte?

Eure Miriam

Zum Buch: Marie Goodin (2015): Valerie kocht, Rororo Verlag, 352 Seiten.

 

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Blaubeer-Zitrone-Muffins oder Mit Mörikes Worten

Ihr Lieben,

ich mag den Frühling. Die Wärme, die langsam wieder kommt und es möglich macht, das man auch mal ohne Mütze das Haus verlässt. Die ersten Farbtupfer, wenn Krokusse und Schneeglöcklchen blühen. Das erste satte Grün, wenn sich die Wiesen beginnen zu erholen und der übermütige Schnittlauch auf meinem Balkon schon fleißig treibt. Die knospenden Bäume, die Vögel, die mit ihrem Gezwitscher wieder die Morgen einläuten. Der erdige, nasse Geruch, wenn man durch die Wiese und im Wald spazieren geht. Einfach dieses Erwachen der Natur, diese Vorbereitung, dieser Aufbruch, diese Absage an den toten Winter ist es, was mich jedes Jahr fasziniert und mir viel Energie mitgibt.

Oder, um es mit Mörikes Worten zu sagen, der alles Tolle am Frühling in so wenigen Worten konzentriert:

Frühling lässt sein blaues Band/ wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte/ streifen ahnungsvoll das Land.

Leider bin ich keine Dichterin und deswegen kann ich weder eine Ode an den Frühling noch an die Muffins schreiben, die ich euch heute mitgebracht habe. Aber lasst mich trotzdem eine prägnante Beschreibung dieses Gebäcks versuchen, das euch den Frühlingsanfang versüßen und das Osterfrühstück (im Falle, dass ihr Ostern feiert) oder das erste Frühlingspicknick im Freien oder einfach die Kaffeetafel zieren kann.

Das Höchste an diesen Muffins sind (neben den Blaubeeren natürlich) die Streusel, die mir so knusprig wie noch nie gelungen sind. Der Streuselteig ist recht bröslig und hat einen vergleichsweise niedrigen Butteranteil. Das ist es, was es problemlos möglich macht, ihn über den Muffinteig zu streuen und somit zwar recht kleine, aber sehr feine, knusprige und nur zart nach Butter schmeckende Streusel zu erhalten. Und die toppen diese sehr saftigen, blaubeerigen und leicht zitronigen Muffins auf’s Vorzüglichste.

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Blaubeer-Zitrone-Muffins mit Knusperstreusel

Für die Streusel 50g Zucker und 50g Butter mit 100g Mehl verkneten. Der Teig wird, wie schon erwähnt, recht bröselig. Es sollten sich schon kleine Klumpen formen lassen, aber er muss nicht so fest zusammenhalten wie ein Mürbteig. 30 Minuten im Kühlschrank kalt stellen.

Für die Muffins 1 Ei mit 65g Zucker in einer Schüssel verrühren. 125 ml Buttermilch, 125 ml Milch und 75 ml Sonnenblumenöl dazugeben und zusammen mit der abgeriebenen Schale von einer Zitrone unterrühren. Dann 250g Mehl und 3 gestrichene Teelöffel Backpulver vermischen und rasch mit den flüssigen Zutaten verrühren. Zwei kleine Gläser oder ein großes Glas Blaubeeren abgießen, abtropfen lassen und unter den Teig heben.

In Muffinförmchen verteilen, die Streusel darüber streuseln und bei 180°C Ober- und Unterhitze ungefähr 25 Minuten backen.

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Mir ist das Rezept vor allem deswegen so ein kleines Glück, weil ich ein bisschen daran herumgetüftelt habe. Sonst waren mal die Streusel zu schwer mit zu viel Butter, dann wieder war zu viel Buttermilch drin oder zu wenig Blaubeeren. Jetzt hab ich für mich das perfekte Rezept gefunden. Am besten schmecken die Muffins noch lauwarm frisch aus dem Ofen, mit Vanille- oder Maple Walnut Eis. Und weil sie sich auch eignen, eine Frühstückstafel zu schmücken, mache ich mit diesem Rezept mit bei dem Blogevent #diyosterbrunch von Jules Moody, Yvonne von Mohntage, PaulsVera und Anika von Vergissmeinnicht.

Lasst es euch gut gehen, ich wünsche euch alles kleine Glück dieser Welt.

Eure Miriam

Wintersalat oder Keine Ode an den saisonalen Gedanken

Ihr Lieben,

was wäre der Winter ohne Feldsalat. Ich bin so froh, dass es ihn gibt, denn ohne ihn wüsste ich nicht, welchen Salat ich im Winter essen könnte, ohne ein diffus schlechtes Gewissen im Genick sitzen zu haben. Seit ich mir nämlich ein bisschen Gedanken gemacht habe über die Saisonalität und Regionalität von Gemüse, ist mir mit Schrecken aufgefallen, dass man sich ab November eigentlich nur noch von Karotten, Kartoffeln, Kohl (nein, diese Alliteration war keine Absicht) und allen Arten von Wurzeln und  Rüben ernähren kann, wenn man auf die Herkunft und die Saison von Gemüse achten möchte. Was haben die Menschen früher im Winter bitte gegessen? Ich glaube, ich müsste verhungern. Ich habe für mich nach eingehender Prüfung meines Gewissens also beschlossen, dass ich dazu nicht in der Lage bin. Weißkohl und Wirsing gut, aber in Maßen. Trotzdem ist es schon einige Zeit her, seit das letzte Mal Gurken und Tomaten in meinem Einkaufswagen gelandet sind – zugegebenermaßen hauptsächlich aus geschmacklichen Gründen und nicht in erster Linie aus einem saisonalen Gedanken heraus. Diese fürchterlich wässrigen und geschmacklosen Gemüseattrappen kann man kaum als solche bezeichnen. Dafür kaufe ich auch weiter Paprika ein, die schmeckt nämlich gar nicht mal so schlecht und kommt sowieso ganzjährig aus Spanien. Ich weiß, das ist ein sehr schwacher Trost. Ansonsten bemühe ich mich, mehr Wintergemüse in meinen Speiseplan einzubauen, neben Tomaten und Gurken auch auf Zucchini und Auberginen und Beeren zu verzichten und meinen Salatkonsum zu reduzieren. Bis auf den Feldsalat natürlich, das ist schließlich ein Wintersalat – was auch die Dame Wikipedia bezeugt.

Natürlich könnte man jetzt sagen, ich mache es mir zu einfach mit meiner Einstellung der Regionalität und Saisonalität gegenüber und sei gar nicht mit ganzem Herzen dabei. Bestimmt gibt es Wintergemüse-Fanatiker, die mir, sofern sie diesen Artikel läsen (Ich wollte unbedingt mal den Konjunktiv II benutzen, sieht irgendwie ganz schön falsch aus), genau das ankreiden würden. Und es stimmt vielleicht, aber ist es der Umwelt nicht gleichgültig, mit welchen Beweggründen die Menschen auf ihren Erhalt achten? Die Hauptsache ist doch das Ergebnis:  je mehr Menschen sich auf alte und eingesessene Gemüsesorten besinnen, desto weniger muss importiert werden, desto weniger CO2-Ausstoß durch Transport und desto weniger schnell sinkender Grundwasserspiegel in Südspanien. Es gibt hier, wie ich finde, kein zu wenig. Jede Tomate, die man einmal nicht kauft, bewirkt etwas. Zumindest stelle ich mir das so vor.

Meine persönliche Besinnung beschränkt sich bei dem Rezept, das ich euch heute vorstellen möchte, auf den Feldsalat und die vakuumierten Roten Rüben, die dafür Hauptzutaten sind. Ansonsten ist dieser Salat eine wortwörtlich bunte Mischung: in der Pfanne gebratene Süßkartoffeln mit Curry und Zwiebeln, Avocado und rote Rettich-Kresse. Die habe ich zum ersten Mal gekauft und sie schmeckt sehr lecker. Kräftiger im Geschmack als normale Kresse, fast noch hübscher und sie rundet mit ihrem leicht scharfen Aroma das Erdige der Süßkartoffeln und den Roten Rüben wunderbar ab. Getoppt wird alles mit Sonnenblumen- und Kürbiskernen, die dem Ganzen noch mehr Biss verleihen.

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Feldsalat mit Curry-Süßkartoffeln, Roten Rüben und Avocado

Wie immer für zwei Personen mit Hunger und Appetit gedacht.

2 Süßkartoffeln mit einem Gesamtgewicht von ungefähr 500g schälen und in etwa ein Zentimeter große Würfel schneiden. 2 Zwiebeln schälen, halbieren und in Spalten schneiden. In einer Pfanne viel Olivenöl erhitzen und beides bei mittlerer Hitze braten, bis es gar ist. Dann mit etwa einem Teelöffel Currypulver und Salz würzen.

Währenddessen zwei Knollen vakuumierte Rote Rüben in kleine Würfel schneiden. Sie sollten nicht größer als einen halben Zentimeter sein, sonst wird der Geschmack sehr dominant. Eine Avocado halbieren, das Fruchtfleisch herauslösen und in Scheiben schneiden. 75g Feldsalat (beziehungsweise eine halbe Packung, ich weiß nicht genau, wie viel es ist) waschen und mit weißem Balsamico und Salz würzen. Öl ist hier für meinen Geschmack nicht mehr nötig, die Süßkartoffeln bringen genug davon mit.

Den Feldsalat und die Süßkartoffeln auf zwei Teller richten, die Avocado und die Roten Rüben darüber verteilen. Am Schluss rote Rettichkresse und Kerne nach Geschmack dekorativ über den Salat streuen.

Servieren mit knusprigem Baguette oder einfach ganz pur.

Alternativ zu dem sehr einfach gehaltenen Dressing könnte ich mir etwas Zitroniges, leicht Säuerliches auch gut vorstellen. Leider war die Zitrone aus, aber sobald ich es ausprobiert habe, berichte ich.

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Alles Gute dieser Welt wünsche ich euch, die es gar nicht mehr erwarten kann, wieder kleines Glück in Form von geschmacksexplosiven Cherrytomaten und frischen Gurken zu genießen. Da das noch ein bisschen dauert, ist auch Feldsalat okay. Die ersten Sonnenstrahlen, die Vögel und ersten Frühlingsblumen wachkitzeln, entschädigen mich da.

Eure Miriam

 

 

Schokoladenkuchen mit Kirschen oder Intelligente Kostümschlachten

Ich mag Filme und Serien, die in historischen Settings spielen. In denen kann man schwelgen, sich an den aufwendigen Kulissen und besonders an den schönen Kleidern erfreuen. Sich hinüberträumen in eine andere, längst vergangene Zeit, in denen die Frauen schöne Kleider trugen, lange Haare und (bedauerlicherweise) keine Rechte hatten und die Männer galante, immer gut gekleidete Gentlemans waren, die lange Bärte und alle Rechte hatten. Aber – Überraschung – alleine diese Umstände reichen für mich nicht aus, um eine gute Serie auszumachen. Eigentlich finde ich Serien, die alleine diese Kriterien erfüllen, ziemlich flach und definitiv nicht sehenswert – Spartacus ist so ein Beispiel. Entsetzlich, wie Frauen hier zu Objekten degradiert und die Gladiatorenkämpfe der Römerzeit völlig unreflektiert zu Heldentaten aufgebaut werden, ohne die Hintergründe wenigstens ansatzweise zu beleuchten. Also, ein zumindest etwas kritischer und realistischer Blick ist mir wichtig. Und intelligente Handlungsstränge. Mit Downton Abbey möchte ich euch heute eine Serie vorstellen, die für mich genau die Kriterien erfüllt und die ich euch deswegen an’s Herz legen möchte: weil sie gut gemacht, intelligent, detailgenau UND eine Kostümschlacht ist.

Downton Abbey ist eine britische Serie aus dem Hause ITV. Das Leben, die Intrigen, die Irrungen und Wirrungen der britischen Adelsfamilie Grantham und deren Personal wird über sechs Staffeln und einem Zeitraum von 12 Jahren, nämlich von 1914 bis 1926, begleitet. Nun, man könnte jetzt sagen, das ist eine klassische historische Kostümschlacht, wie oben beschrieben, aber so einfach ist es nicht. Zuerst einmal trugen die Männer in den 20er Jahren höchstens Schnauzer – die Backenbärte der Kaiserzeit waren weitgehend verpönt.

Downton Abbey schafft es, durch die feine Ausbalancierung der Themenschwerpunkte neben den typischen Einzelschicksalen, die es so mehr oder weniger in jeder Serie gibt (Tod, Affären, Liebes- und Zweckheiraten, uneheliche Kinder und was alles sonst dazugehört) weitere spannende Handlungsstränge zu schaffen. Das geschieht zum Beispiel durch Einflechtung von Generationen- und Standeskonflikten, die Frauenrechtsbewegung und die sozialistischen Strömungen, die vom Festland her schwappend auch die Arbeiter auf der Insel in ihrem Denken beeinflussten. Besonders die Schicksale, die Aufgaben und das Leben des Hauspersonals, die gleichberechtigt neben denen der Familie Grantham stehen, haben mich an der Serie besonders fasziniert. Das gibt einen Einblick in den Mikrokosmos eines adeligen Haushalts, der nur funktionieren kann, wenn jeder darin auch seine Stellung kennt und nach bestem Wissen ausfüllt – dass das Dienertum aus heutiger Sicht nicht positiv zu bewerten ist, muss ich dabei ja nicht extra erwähnen.

Ich weiß nicht, inwiefern Downton Abbey einen beschönigenden Schleier über diese Zeit legt – sie lässt einen Einblick in einen Haushalt zu, in dem die Diener ein verhältnismäßig gutes Leben führen und von den Mitgliedern der Familie auch als Menschen wahrgenommen und menschenwürdig behandelt werden. Sie hat keinen nostalgischen Charakter, wichtig für die ganze Serie und ein Leitthema ist die Verhandlung eines Gleichgewichts zwischen Altem und Neuem, Vertrautem und Unbekanntem, dem Fortschritt und der Stagnation. Generell überwiegt der Fortschrittsglaube und macht deutlich, dass ohne die Anpassung an neue Gegebenheiten das Überleben unmöglich ist. Vielleicht endet Dowton Abbey deshalb auch mit der Zeit um 1925, weil danach durch gravierende, in der Serie auch schon angedeutete Veränderungen im Denken und den Ansprüchen vor allem der einfachen Menschen, das lang tradierte System des Dienertums zu verschwinden begann und somit die Basis für einen funktionierenden Haushalt des Adels wegbrach.

Im Gesindetrakt von Downton Abbey ist ein Dreh- und Angelpunkt im Leben des Hauspersonals die Küche, deren Herrscherin Missis Patmore zuständig ist für all die Köstlichkeiten, die bei der Familie Grantham tagtäglich auf den Tisch kommen. Bestimmt wäre sie begeistert von der flaumigen Weichheit und Saftigkeit dieses Schokoladenkuchen, der durch die Kirschen wunderbar fruchtig wird. Abgerundet wird der Geschmack durch den Mohn. Den kann man weder auf den Fotos noch im fertigen Kuchen erkennen, er hinterlässt aber einen leicht nussigen Geschmack, der gut mit der Schokolade und den Kirschen harmoniert (ich meine, dass diese Zutaten gut zusammenpassen, das ist ja hinreichend belegt). Wahrlich, ein perfekter Kuchen für einen englischen five o’clock tea. Und perfekt als Begleitung für einen Binge-Watching-Abend – oder zwei?

Schokolade-Mohn-Kuchen mit Kirschen

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Das Rezept ist für eine Springform mit 18cm Durchmesser gedacht. Für eine Familienportion Kuchen in einer 26cm Springform einfach alle Mengen verdoppeln.

125g Butter mit 80g Zucker schaumig schlagen. 50g Zartbitterschokolade schmelzen (ich habe festgestellt, dass das in der Mikrowelle wunderbar geht, wenn man sie vorher ganz fein hackt und dann fest aufpasst, dass sie nicht anbrennt) und zu der Butter-Zucker-Mischung geben. Noch einmal aufschlagen, dann nacheinander 2 Eier unterrühren. In einer Schüssel 125g Mehl mit 3 EL ganzen Mohnsamen, einem halben Päckchen Backpulver und 15g Kakao mischen. Die Mehlmischung unter die Masse geben und noch einmal kurz durchrühren. Ein Glas Sauerkirschen abgießen, abtropfen lassen und unter den Teig heben.

In eine Springform füllen und bei 175°C Ober- und Unterhitze ungefähr 45 Minuten backen.

Den Kuchen abkühlen lassen und entweder 100g Zartbitterschokolade schmelzen lassen und ihn komplett damit überziehen oder, wie ich es gemacht habe, 50g Zartbitterschokolade schmelzen und dekorative Streifen spritzen. Ich bin nämlich kein besonders großer Fan von Schokoglasur, aber es sieht auf Fotos einfach hübscher aus als ohne.

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Ich wünsche euch alles Gute dieser Welt und viel kleines Glück – in Kuchen und einer guten Serie.

Eure
Miriam

Hirse-Kurkuma-Porridge oder Über ein altes neues Getreide

Ihr Lieben,

Ich finde es spannend zu beobachten, wie alte, lang vergessene,zumeist regionale Gemüse-und Getreidesorten, von denen ich noch nie beziehungsweise wenn, dann nur am Rande gehört habe, eine Renaissance erleben. So zum Beispiel alle Arten von Rüben, wie Pastinaken (die ich in Suppen oder Pürees sehr mag und die mir zum ersten Mal in einem England-Urlaub vor 4 Jahren begegnet sind) oder Topinambur (der mich leider nicht von seinen Qualitäten überzeugen konnte). Ebenso Getreide wie Emmer oder eben die Hirse. Ich habe mich bei der Dame Wikipedia ein bisschen erkundigt, und da steht über die Hirse folgendes: Hirse ist eine Sammelbezeichnung für kleinfrüchtiges Spelzgetreide – was auch immer das heißt. Sie gehört zu den Süßgräsern, worunter auch alle gängigen Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais und Reis fallen. Und, was ich besonders interessant finde, der Name leitet sich von einem indogermanischen Wortstamm ab – indogermanisch ist die Sprache, die sehr, sehr vielen aktuellen Sprachen zugrunde liegt, so zum Beispiel dem Deutschen, aber auch den Romanischen Sprachen wie Französisch und Italienisch – und bedeutet so viel wie „Nahrung oder Sättigung“. Hirse muss zur Zeit des Indogermanischen ein bedeutendes und umfassendes Grundnahrungsmittel gewesen sein, wenn sie so einen allgemeinen Namen gehabt hat. In Europa ist sie heute meist als Futtermittel für Ziervögel bekannt und wird langsam wieder entdeckt, den Menschen zum Dank, die immer auf der Suche nach neuen (alten) Nahrungsmitteln sind, die sie wieder populär machen können, um auf der regionalen Welle mitzureiten. Das meine ich jetzt auch gar nicht negativ, ich finde es bemerkenswert und wichtig, dass sich immer mehr Menschen die Regionalität und Saisonalität von Gemüse bewusst machen.

Hirse als ursprünglich hierzulande beheimatetes Getreide ist sehr gesund, sie enthält viele Spurenelemente. Man kann sie als Suppeneinlage verwenden, als Basis oder Zutat für Salat oder, wie ich es gemacht habe, ganz klassisch als Brei. Beziehungsweise Porridge, das hört sich schöner an. Wichtig ist, dass man sie ganz durchkocht, die Dame Wikipedia merkt an, dass rohe Hirse einen teils bedenklichen Blausäuregehalt hat. Inwiefern das stimmt oder nicht, hab ich jetzt sonst nirgends nachgelesen, also kann ich für den Wahrheitsgehalt nicht garantieren. Andererseits, wer isst schon gern rohes Getreide?

Soo, nun zum Rezept, das ich euch heute mitgebracht habt. Da ich seit kurzem häufig über diese sagenumwobene, super gesunde und wärmende Goldene Milch lese, die in allen Netzwerken und auf immer mehr Blogs kursiert, habe ich beschlossen, mich mal daran zu wagen, etwas anderes als Curry mit Kurkuma zu würzen. An die Goldene Milch selbst traue ich mich zugegebenermaßen (noch) nicht, Unmengen an Kurkuma, Ingwer und Schwarzem Pfeffer in Kuh- oder Pflanzenmilch ist mir zu abenteuerlich, da muss ich noch einmal drüber nachdenken. Und so stelle ich euch jetzt meinen ersten Schritt in Richtung Goldener Milch vor, ein bisschen orientalisch anmutendes Hirse-Kurkuma-Porridge. Perfekt zum Frühstück, wärmend, würzig und mit ein bisschen Biss durch die Kokoschips und auch die Hirse selbst, die nicht ganz so weich kocht wie zum Beispiel Milchreis.

Hirse-Kurkuma-Porridge mit Rosinen und Vollrohrzucker

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Die Portionen reichen diesmal sogar für vier Personen für ein Frühstück, ich habe es  mit dem Maßnehmen etwas übertrieben. Also wenn ihr für weniger Menschen kocht, einfach die Mengen entsprechend reduzieren.

1 Tasse Goldhirse (Goldhirse ist schon geschälte Hirse, sie zeichnet sich durch eine sehr gelbe Farbe aus) mit eineinhalb Tassen Milch und einer Tasse Wasser aufkochen. 1/2 Teelöffel Zimt, 1 bis 2 Teelöffel Kurkuma (je nach Geschmack und Gefühl ein bisschen abwägen und dazwischen immer wieder probieren, wenn ihr den Kurkuma-Geschmack nicht gewohnt seid, so wie ich auch) und 2 Esslöffel Vollrohrzucker dazugeben. Von einer Bio-Zitrone mit einem Sparschäler einen Streifen abschälen und ebenfalls dazugeben. 2 Esslöffel Rosinen (das ist natürlich optional, aber ich persönlich liebe Rosinen in meinem Essen) dazugeben und alles zusammen auf mittlerer Hitze 25 Minuten köcheln lassen – so lange, bis die Hirse weich ist und die Flüssigkeit gut aufgenommen hat. Sollte es zu wenig sein, einfach dazwischen noch einmal mit Wasser oder Milch aufgießen.

Dann in Schälchen anrichten und mit Kokoschips, Rosinen und Vollrohrzucker garnieren.

Noch was zum Vollrohrzucker: Das ist Zucker in Rohform sozusagen – der Zuckerrohrsaft wird eingekocht, getrocknet und dann gemahlen, ohne weitere Verarbeitung. Er ist nicht so süß wie Rohr- oder normaler Zucker und hat einen intensiven, leicht karamelligen Eigengeschmack. Passt hervorragend zu dem Hirse-Porridge und dem etwas erdigen Geschmack des Kurkuma. Wenn ihr keinen Vollrohrzucker zuhause habt, geht natürlich auch jedes andere Süßungsmittel, das ihr bevorzugt.

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Ich wünsche euch alles Gute dieser Welt und, passend zum Thema, viele kleine Frühstücksglücke.

Eure
Miriam

Winterlicher Bulgursalat oder das Glück der Vielfalt

Ihr Lieben,

in dem Rezept, das ich euch heute vorstellen werde, kommen viele verschiedene Gewürze zum Einsatz .. oder besser, Gewürzmischungen. Ich hab nämlich vor Kurzem in Passau einen kleinen orientalischen Supermarkt entdeckt, der von Türkischem Honig über verschiedene Tees bis hin zu Sucuk (einer türkischen Knoblauchwurst – in Pide zusammen mit geschmolzenem Mozzarella definitiv einen Versuch wert) eine große Vielfalt an Lebensmitteln führt, die man so im Supermarkt nicht bekommt. Und es gibt eben dort auch ein ganzes Regal mit Gewürzen und Gewürzmischungen zu unschlagbar günstigen Preisen. Für mich entdeckt habe ich definitiv Harissa, das ist eine sehr scharfe Paprikapaste. Ich habe sie wegen der längeren Haltbarkeit in Pulverform gekauft, aber ich denke, das Ergebnis ist das Gleiche: eine sehr scharf-würzige Note, die fast überall dazu passt (zum Beispiel zu der Kürbis-Pastinakensuppe von hier). Außerdem zähle ich jetzt Zatar (oder Za’tar oder Zahtar, eine Mischung aus unter anderem Thymian, Fenchel, Sesam und Knoblauch) zu meinem Besitz und Wacholderbeeren und getrocknete Minze – ich glaube, ich muss bald wieder hin und mich eindecken. Immer, wenn ich dort bin und das bunt gemischte Klientel sehe, bin ich froh, dass diese Vielfalt erlaubt ist und dass es diese Vielfalt gibt. Wie eintönig und flach wäre unsere und jede andere Kultur und Sprache ohne den regen Austausch untereinander und die Neugier auf das Andere, Fremde? Ich bin froh, dass es diesen Austausch gibt  – auf einer ganz niedrigen Ebene deshalb, weil es ohne ihn das Rezept nicht gäbe, das ich euch heute vorstellen möchte: einen Bulgursalat mit Roter Bete, Kichererbsen und Tomaten. Und Zatar und Harissa und getrockneter Minze. Die Tomaten ergänzen mit ihrer Frische gut den erdigen Geschmack der Roten Bete und das Nussige des Bulgurs. Sie lassen sich aber, wenn man jetzt im tiefsten Winter keine Tomaten essen möchte (egal, ob aus geschmacks- oder umwelttechnischen Gründen), auch gut durch blanchierte Möhren ersetzen.

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Bulgur-Salat mit Roter Bete und Kichererbsen

Die Zutaten sind wie immer so bemessen, dass zwei hungrige Personen gut davon satt werden. Und manchmal auch noch ein bisschen was übrig bleibt.

Als erstes 150g Bulgur in leicht gesalzenem Wasser nach Packungsanweisung gar kochen. Währenddessen eine Dose Kichererbsen abgießen, unter kaltem Wasser abwaschen und abtropfen lassen. 400g Rote Bete abtropfen lassen und in etwa 1 cm große Würfel schneiden. 250g Cherrytomaten in Scheiben schneiden. 1 Lauchzwiebel waschen und in feine Ringe schneiden. Wenn der Bulgur fertig gequollen ist, alle Zutaten zusammen in eine Schüssel geben und mit ungefähr 6 Esslöffeln Olivenöl vermischen. Ich kann leider keine genaue Mengenangabe geben, aber es soll so viel sein, dass die ganze Mischung schön geschmeidig ist und nicht trocken wirkt. Dann mit einem halben Teelöffel getrockneter Minze, einem halben Teelöffel Zatar, und etwas weißem Balsamico würzen. Mit Salz und Zitronensaft abschmecken.

Wenn man möchte, kann man zusätzlich klein geschnittenen Feta dazu reichen oder in einer Pfanne ohne Fett geröstete Mandeln.

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Ich bin immer wieder erstaunt über die unheimlich kräftige Farbe der Roten Bete und die manchmal sehr hübsche Maserung. Das ist ein wunderbarer lila-roter Tupfer im grauen Winter. Richtiges kleines Glück für mich.

In diesem Sinne wünsche ich euch alles Gute dieser Welt! Lasst euch überraschen vom kleinen Glück.

Eure
Miriam

 

 

Märchenhafte Bösartigkeit oder Überlegungen zur Fantasy

Hallo ihr Lieben,

Ich habe hier schon einmal beschrieben, wie sehr ich das Lesen liebe und wie gerne ich mich in Geschichten entführen lasse. Prinzipiell besonders gern lass ich mich mitehmen auf Reisen durch erdachte, phantastische Welten. Vorausgesetzt, es ist eine konsistente, in sich schlüssige Welt und eine mitreißende Geschichte. Leider gibt es aber unheimlich viele unheimlich schlechte Fantasy-Romane, weswegen sich die Suche nach Perlen des Genres oft als ziemlich mühselig gestaltet. Zu oft wiederholen sich Handlungsstränge, Figurenzeichnungen, sogar die Anzahl der Teile einer Reihe scheint in irgendeinem geheimen Kodex (oder doch von Verlagen?) auf drei festgelegt zu sein. So vorhersehbare Geschichten langweilen mich und ich habe schon lange aufgehört, an so etwas meine Zeit zu verschwenden. Aber ich würde diesen Artikel nicht schreiben, wenn ich nicht doch einmal wieder fündig geworden wäre im Fantasy-Dschungel und ein Buch gefunden hätte, das ich euch wärmstens an’s Herz legen möchte.Gestoßen bin ich darauf ziemlich zufällig, als ich nach der Buchvorlage eines Films geschaut habe, dessen Trailer ich im Kino gesehen habe.

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Obwohl ich glaube, dass mir noch niemals ein uninformativerer Klappentext untergekommen ist, möchte ich euch ihn trotzdem nicht vorenthalten.

Nach dem Tod seiner Mutter flüchtet sich der zwölfjährige David in die Welt der Bücher. Schon bald merkt er, dass sich Realität und Phantasie vermischen. Es beginnt eine aufregende Reise an der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit. Klug und spannend erzählt John Connolly eine Geschichte über die Kraft der Phantasie.

Der Junge David ist sehr unglücklich, als sein Vater einige Zeit nach dem Tod seiner Mutter eine neue Frau kennenlernt und mit ihr wieder eine Familie gründet. David ist voller Wut auf seinen kleinen Halbbruder und seine Stiefmutter und zieht sich immer mehr in sich selbst und die Welt seiner Bücher – alte Bücher voller geheimnisvoller Zeichnungen und magischer Geschichten – zurück. Bei einem Angriff der deutschen Luftwaffe (die Geschichte spielt im Jahr 1940 in England) flüchtet sich David in eine Baumhöhle am Ende des Gartens und findet sich unversehens in einer anderen Welt wieder. Es ist eine böse Welt, in der Ungeheuer und Halbwölfe lauern. Eine Jägerin erschafft Mischwesen aus Kindern und Tieren, um sie zu jagen. Ein dickes, lautes, unsympathisches Schneewittchen unterdrückt sieben zutiefst kommunistische Zwerge. David kann nur zurück, wenn er den König findet und von dem das Buch der verlorenen Dinge erhält. Noch weiß er nicht, dass der Trickser, der Krumme Mann, einen teuflischen Plan ausheckt, in dem er David die Hauptrolle zugewiesen hat.

Ohh, ich hoffe, ich habe nicht zu viel verraten. Diese Geschichte ist voll von bösem Ideenreichtum und merkwürdigen Gestalten. Verschiedene bekannte Märchen sind in die Erzählung mit eingewoben, enden aber nie so, wie man es kennt und erwarten würde. In seiner Erzählweise erinnert die Geschichte selbst an die Märchen, die ihr zugrunde liegen. Aber definitiv keines für Kinder: Teilweise hat mich das Buch in der düsteren Atmosphäre, den schrägen Einfälle und gruseligen Schauplätzen an die Filme von Tim Burton erinnert oder an die Filme Pans Labyrinth und Das Märchen der Märchen. Beides sind Märchen für Erwachsene, und ebenda kann man auch Das Buch der verlorenen Dinge einordnen.

Also, wenn ihr euch gern ein bisschen beim Lesen gruselt und euch gerne in andere Welten mitnehmen lasst (oder jemanden kennt, der das gerne tut und dem ihr noch etwas als Weihnachtsgeschenk sucht), dann sei euch dieses Buch an’s Herz gelegt.

John Connolly: Das Buch der verlorenen Dinge, 330 Seiten, erschienen im List Verlag im Jahr 2011.

 

Ich wünsche euch alles Gute dieser Welt!

Eure Miriam