Schokoladenkuchen mit Kirschen oder Intelligente Kostümschlachten

Ich mag Filme und Serien, die in historischen Settings spielen. In denen kann man schwelgen, sich an den aufwendigen Kulissen und besonders an den schönen Kleidern erfreuen. Sich hinüberträumen in eine andere, längst vergangene Zeit, in denen die Frauen schöne Kleider trugen, lange Haare und (bedauerlicherweise) keine Rechte hatten und die Männer galante, immer gut gekleidete Gentlemans waren, die lange Bärte und alle Rechte hatten. Aber – Überraschung – alleine diese Umstände reichen für mich nicht aus, um eine gute Serie auszumachen. Eigentlich finde ich Serien, die alleine diese Kriterien erfüllen, ziemlich flach und definitiv nicht sehenswert – Spartacus ist so ein Beispiel. Entsetzlich, wie Frauen hier zu Objekten degradiert und die Gladiatorenkämpfe der Römerzeit völlig unreflektiert zu Heldentaten aufgebaut werden, ohne die Hintergründe wenigstens ansatzweise zu beleuchten. Also, ein zumindest etwas kritischer und realistischer Blick ist mir wichtig. Und intelligente Handlungsstränge. Mit Downton Abbey möchte ich euch heute eine Serie vorstellen, die für mich genau die Kriterien erfüllt und die ich euch deswegen an’s Herz legen möchte: weil sie gut gemacht, intelligent, detailgenau UND eine Kostümschlacht ist.

Downton Abbey ist eine britische Serie aus dem Hause ITV. Das Leben, die Intrigen, die Irrungen und Wirrungen der britischen Adelsfamilie Grantham und deren Personal wird über sechs Staffeln und einem Zeitraum von 12 Jahren, nämlich von 1914 bis 1926, begleitet. Nun, man könnte jetzt sagen, das ist eine klassische historische Kostümschlacht, wie oben beschrieben, aber so einfach ist es nicht. Zuerst einmal trugen die Männer in den 20er Jahren höchstens Schnauzer – die Backenbärte der Kaiserzeit waren weitgehend verpönt.

Downton Abbey schafft es, durch die feine Ausbalancierung der Themenschwerpunkte neben den typischen Einzelschicksalen, die es so mehr oder weniger in jeder Serie gibt (Tod, Affären, Liebes- und Zweckheiraten, uneheliche Kinder und was alles sonst dazugehört) weitere spannende Handlungsstränge zu schaffen. Das geschieht zum Beispiel durch Einflechtung von Generationen- und Standeskonflikten, die Frauenrechtsbewegung und die sozialistischen Strömungen, die vom Festland her schwappend auch die Arbeiter auf der Insel in ihrem Denken beeinflussten. Besonders die Schicksale, die Aufgaben und das Leben des Hauspersonals, die gleichberechtigt neben denen der Familie Grantham stehen, haben mich an der Serie besonders fasziniert. Das gibt einen Einblick in den Mikrokosmos eines adeligen Haushalts, der nur funktionieren kann, wenn jeder darin auch seine Stellung kennt und nach bestem Wissen ausfüllt – dass das Dienertum aus heutiger Sicht nicht positiv zu bewerten ist, muss ich dabei ja nicht extra erwähnen.

Ich weiß nicht, inwiefern Downton Abbey einen beschönigenden Schleier über diese Zeit legt – sie lässt einen Einblick in einen Haushalt zu, in dem die Diener ein verhältnismäßig gutes Leben führen und von den Mitgliedern der Familie auch als Menschen wahrgenommen und menschenwürdig behandelt werden. Sie hat keinen nostalgischen Charakter, wichtig für die ganze Serie und ein Leitthema ist die Verhandlung eines Gleichgewichts zwischen Altem und Neuem, Vertrautem und Unbekanntem, dem Fortschritt und der Stagnation. Generell überwiegt der Fortschrittsglaube und macht deutlich, dass ohne die Anpassung an neue Gegebenheiten das Überleben unmöglich ist. Vielleicht endet Dowton Abbey deshalb auch mit der Zeit um 1925, weil danach durch gravierende, in der Serie auch schon angedeutete Veränderungen im Denken und den Ansprüchen vor allem der einfachen Menschen, das lang tradierte System des Dienertums zu verschwinden begann und somit die Basis für einen funktionierenden Haushalt des Adels wegbrach.

Im Gesindetrakt von Downton Abbey ist ein Dreh- und Angelpunkt im Leben des Hauspersonals die Küche, deren Herrscherin Missis Patmore zuständig ist für all die Köstlichkeiten, die bei der Familie Grantham tagtäglich auf den Tisch kommen. Bestimmt wäre sie begeistert von der flaumigen Weichheit und Saftigkeit dieses Schokoladenkuchen, der durch die Kirschen wunderbar fruchtig wird. Abgerundet wird der Geschmack durch den Mohn. Den kann man weder auf den Fotos noch im fertigen Kuchen erkennen, er hinterlässt aber einen leicht nussigen Geschmack, der gut mit der Schokolade und den Kirschen harmoniert (ich meine, dass diese Zutaten gut zusammenpassen, das ist ja hinreichend belegt). Wahrlich, ein perfekter Kuchen für einen englischen five o’clock tea. Und perfekt als Begleitung für einen Binge-Watching-Abend – oder zwei?

Schokolade-Mohn-Kuchen mit Kirschen

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Das Rezept ist für eine Springform mit 18cm Durchmesser gedacht. Für eine Familienportion Kuchen in einer 26cm Springform einfach alle Mengen verdoppeln.

125g Butter mit 80g Zucker schaumig schlagen. 50g Zartbitterschokolade schmelzen (ich habe festgestellt, dass das in der Mikrowelle wunderbar geht, wenn man sie vorher ganz fein hackt und dann fest aufpasst, dass sie nicht anbrennt) und zu der Butter-Zucker-Mischung geben. Noch einmal aufschlagen, dann nacheinander 2 Eier unterrühren. In einer Schüssel 125g Mehl mit 3 EL ganzen Mohnsamen, einem halben Päckchen Backpulver und 15g Kakao mischen. Die Mehlmischung unter die Masse geben und noch einmal kurz durchrühren. Ein Glas Sauerkirschen abgießen, abtropfen lassen und unter den Teig heben.

In eine Springform füllen und bei 175°C Ober- und Unterhitze ungefähr 45 Minuten backen.

Den Kuchen abkühlen lassen und entweder 100g Zartbitterschokolade schmelzen lassen und ihn komplett damit überziehen oder, wie ich es gemacht habe, 50g Zartbitterschokolade schmelzen und dekorative Streifen spritzen. Ich bin nämlich kein besonders großer Fan von Schokoglasur, aber es sieht auf Fotos einfach hübscher aus als ohne.

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Ich wünsche euch alles Gute dieser Welt und viel kleines Glück – in Kuchen und einer guten Serie.

Eure
Miriam

Hirse-Kurkuma-Porridge oder Über ein altes neues Getreide

Ihr Lieben,

Ich finde es spannend zu beobachten, wie alte, lang vergessene,zumeist regionale Gemüse-und Getreidesorten, von denen ich noch nie beziehungsweise wenn, dann nur am Rande gehört habe, eine Renaissance erleben. So zum Beispiel alle Arten von Rüben, wie Pastinaken (die ich in Suppen oder Pürees sehr mag und die mir zum ersten Mal in einem England-Urlaub vor 4 Jahren begegnet sind) oder Topinambur (der mich leider nicht von seinen Qualitäten überzeugen konnte). Ebenso Getreide wie Emmer oder eben die Hirse. Ich habe mich bei der Dame Wikipedia ein bisschen erkundigt, und da steht über die Hirse folgendes: Hirse ist eine Sammelbezeichnung für kleinfrüchtiges Spelzgetreide – was auch immer das heißt. Sie gehört zu den Süßgräsern, worunter auch alle gängigen Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais und Reis fallen. Und, was ich besonders interessant finde, der Name leitet sich von einem indogermanischen Wortstamm ab – indogermanisch ist die Sprache, die sehr, sehr vielen aktuellen Sprachen zugrunde liegt, so zum Beispiel dem Deutschen, aber auch den Romanischen Sprachen wie Französisch und Italienisch – und bedeutet so viel wie „Nahrung oder Sättigung“. Hirse muss zur Zeit des Indogermanischen ein bedeutendes und umfassendes Grundnahrungsmittel gewesen sein, wenn sie so einen allgemeinen Namen gehabt hat. In Europa ist sie heute meist als Futtermittel für Ziervögel bekannt und wird langsam wieder entdeckt, den Menschen zum Dank, die immer auf der Suche nach neuen (alten) Nahrungsmitteln sind, die sie wieder populär machen können, um auf der regionalen Welle mitzureiten. Das meine ich jetzt auch gar nicht negativ, ich finde es bemerkenswert und wichtig, dass sich immer mehr Menschen die Regionalität und Saisonalität von Gemüse bewusst machen.

Hirse als ursprünglich hierzulande beheimatetes Getreide ist sehr gesund, sie enthält viele Spurenelemente. Man kann sie als Suppeneinlage verwenden, als Basis oder Zutat für Salat oder, wie ich es gemacht habe, ganz klassisch als Brei. Beziehungsweise Porridge, das hört sich schöner an. Wichtig ist, dass man sie ganz durchkocht, die Dame Wikipedia merkt an, dass rohe Hirse einen teils bedenklichen Blausäuregehalt hat. Inwiefern das stimmt oder nicht, hab ich jetzt sonst nirgends nachgelesen, also kann ich für den Wahrheitsgehalt nicht garantieren. Andererseits, wer isst schon gern rohes Getreide?

Soo, nun zum Rezept, das ich euch heute mitgebracht habt. Da ich seit kurzem häufig über diese sagenumwobene, super gesunde und wärmende Goldene Milch lese, die in allen Netzwerken und auf immer mehr Blogs kursiert, habe ich beschlossen, mich mal daran zu wagen, etwas anderes als Curry mit Kurkuma zu würzen. An die Goldene Milch selbst traue ich mich zugegebenermaßen (noch) nicht, Unmengen an Kurkuma, Ingwer und Schwarzem Pfeffer in Kuh- oder Pflanzenmilch ist mir zu abenteuerlich, da muss ich noch einmal drüber nachdenken. Und so stelle ich euch jetzt meinen ersten Schritt in Richtung Goldener Milch vor, ein bisschen orientalisch anmutendes Hirse-Kurkuma-Porridge. Perfekt zum Frühstück, wärmend, würzig und mit ein bisschen Biss durch die Kokoschips und auch die Hirse selbst, die nicht ganz so weich kocht wie zum Beispiel Milchreis.

Hirse-Kurkuma-Porridge mit Rosinen und Vollrohrzucker

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Die Portionen reichen diesmal sogar für vier Personen für ein Frühstück, ich habe es  mit dem Maßnehmen etwas übertrieben. Also wenn ihr für weniger Menschen kocht, einfach die Mengen entsprechend reduzieren.

1 Tasse Goldhirse (Goldhirse ist schon geschälte Hirse, sie zeichnet sich durch eine sehr gelbe Farbe aus) mit eineinhalb Tassen Milch und einer Tasse Wasser aufkochen. 1/2 Teelöffel Zimt, 1 bis 2 Teelöffel Kurkuma (je nach Geschmack und Gefühl ein bisschen abwägen und dazwischen immer wieder probieren, wenn ihr den Kurkuma-Geschmack nicht gewohnt seid, so wie ich auch) und 2 Esslöffel Vollrohrzucker dazugeben. Von einer Bio-Zitrone mit einem Sparschäler einen Streifen abschälen und ebenfalls dazugeben. 2 Esslöffel Rosinen (das ist natürlich optional, aber ich persönlich liebe Rosinen in meinem Essen) dazugeben und alles zusammen auf mittlerer Hitze 25 Minuten köcheln lassen – so lange, bis die Hirse weich ist und die Flüssigkeit gut aufgenommen hat. Sollte es zu wenig sein, einfach dazwischen noch einmal mit Wasser oder Milch aufgießen.

Dann in Schälchen anrichten und mit Kokoschips, Rosinen und Vollrohrzucker garnieren.

Noch was zum Vollrohrzucker: Das ist Zucker in Rohform sozusagen – der Zuckerrohrsaft wird eingekocht, getrocknet und dann gemahlen, ohne weitere Verarbeitung. Er ist nicht so süß wie Rohr- oder normaler Zucker und hat einen intensiven, leicht karamelligen Eigengeschmack. Passt hervorragend zu dem Hirse-Porridge und dem etwas erdigen Geschmack des Kurkuma. Wenn ihr keinen Vollrohrzucker zuhause habt, geht natürlich auch jedes andere Süßungsmittel, das ihr bevorzugt.

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Ich wünsche euch alles Gute dieser Welt und, passend zum Thema, viele kleine Frühstücksglücke.

Eure
Miriam

Winterlicher Bulgursalat oder das Glück der Vielfalt

Ihr Lieben,

in dem Rezept, das ich euch heute vorstellen werde, kommen viele verschiedene Gewürze zum Einsatz .. oder besser, Gewürzmischungen. Ich hab nämlich vor Kurzem in Passau einen kleinen orientalischen Supermarkt entdeckt, der von Türkischem Honig über verschiedene Tees bis hin zu Sucuk (einer türkischen Knoblauchwurst – in Pide zusammen mit geschmolzenem Mozzarella definitiv einen Versuch wert) eine große Vielfalt an Lebensmitteln führt, die man so im Supermarkt nicht bekommt. Und es gibt eben dort auch ein ganzes Regal mit Gewürzen und Gewürzmischungen zu unschlagbar günstigen Preisen. Für mich entdeckt habe ich definitiv Harissa, das ist eine sehr scharfe Paprikapaste. Ich habe sie wegen der längeren Haltbarkeit in Pulverform gekauft, aber ich denke, das Ergebnis ist das Gleiche: eine sehr scharf-würzige Note, die fast überall dazu passt (zum Beispiel zu der Kürbis-Pastinakensuppe von hier). Außerdem zähle ich jetzt Zatar (oder Za’tar oder Zahtar, eine Mischung aus unter anderem Thymian, Fenchel, Sesam und Knoblauch) zu meinem Besitz und Wacholderbeeren und getrocknete Minze – ich glaube, ich muss bald wieder hin und mich eindecken. Immer, wenn ich dort bin und das bunt gemischte Klientel sehe, bin ich froh, dass diese Vielfalt erlaubt ist und dass es diese Vielfalt gibt. Wie eintönig und flach wäre unsere und jede andere Kultur und Sprache ohne den regen Austausch untereinander und die Neugier auf das Andere, Fremde? Ich bin froh, dass es diesen Austausch gibt  – auf einer ganz niedrigen Ebene deshalb, weil es ohne ihn das Rezept nicht gäbe, das ich euch heute vorstellen möchte: einen Bulgursalat mit Roter Bete, Kichererbsen und Tomaten. Und Zatar und Harissa und getrockneter Minze. Die Tomaten ergänzen mit ihrer Frische gut den erdigen Geschmack der Roten Bete und das Nussige des Bulgurs. Sie lassen sich aber, wenn man jetzt im tiefsten Winter keine Tomaten essen möchte (egal, ob aus geschmacks- oder umwelttechnischen Gründen), auch gut durch blanchierte Möhren ersetzen.

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Bulgur-Salat mit Roter Bete und Kichererbsen

Die Zutaten sind wie immer so bemessen, dass zwei hungrige Personen gut davon satt werden. Und manchmal auch noch ein bisschen was übrig bleibt.

Als erstes 150g Bulgur in leicht gesalzenem Wasser nach Packungsanweisung gar kochen. Währenddessen eine Dose Kichererbsen abgießen, unter kaltem Wasser abwaschen und abtropfen lassen. 400g Rote Bete abtropfen lassen und in etwa 1 cm große Würfel schneiden. 250g Cherrytomaten in Scheiben schneiden. 1 Lauchzwiebel waschen und in feine Ringe schneiden. Wenn der Bulgur fertig gequollen ist, alle Zutaten zusammen in eine Schüssel geben und mit ungefähr 6 Esslöffeln Olivenöl vermischen. Ich kann leider keine genaue Mengenangabe geben, aber es soll so viel sein, dass die ganze Mischung schön geschmeidig ist und nicht trocken wirkt. Dann mit einem halben Teelöffel getrockneter Minze, einem halben Teelöffel Zatar, und etwas weißem Balsamico würzen. Mit Salz und Zitronensaft abschmecken.

Wenn man möchte, kann man zusätzlich klein geschnittenen Feta dazu reichen oder in einer Pfanne ohne Fett geröstete Mandeln.

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Ich bin immer wieder erstaunt über die unheimlich kräftige Farbe der Roten Bete und die manchmal sehr hübsche Maserung. Das ist ein wunderbarer lila-roter Tupfer im grauen Winter. Richtiges kleines Glück für mich.

In diesem Sinne wünsche ich euch alles Gute dieser Welt! Lasst euch überraschen vom kleinen Glück.

Eure
Miriam

 

 

Märchenhafte Bösartigkeit oder Überlegungen zur Fantasy

Hallo ihr Lieben,

Ich habe hier schon einmal beschrieben, wie sehr ich das Lesen liebe und wie gerne ich mich in Geschichten entführen lasse. Prinzipiell besonders gern lass ich mich mitehmen auf Reisen durch erdachte, phantastische Welten. Vorausgesetzt, es ist eine konsistente, in sich schlüssige Welt und eine mitreißende Geschichte. Leider gibt es aber unheimlich viele unheimlich schlechte Fantasy-Romane, weswegen sich die Suche nach Perlen des Genres oft als ziemlich mühselig gestaltet. Zu oft wiederholen sich Handlungsstränge, Figurenzeichnungen, sogar die Anzahl der Teile einer Reihe scheint in irgendeinem geheimen Kodex (oder doch von Verlagen?) auf drei festgelegt zu sein. So vorhersehbare Geschichten langweilen mich und ich habe schon lange aufgehört, an so etwas meine Zeit zu verschwenden. Aber ich würde diesen Artikel nicht schreiben, wenn ich nicht doch einmal wieder fündig geworden wäre im Fantasy-Dschungel und ein Buch gefunden hätte, das ich euch wärmstens an’s Herz legen möchte.Gestoßen bin ich darauf ziemlich zufällig, als ich nach der Buchvorlage eines Films geschaut habe, dessen Trailer ich im Kino gesehen habe.

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Obwohl ich glaube, dass mir noch niemals ein uninformativerer Klappentext untergekommen ist, möchte ich euch ihn trotzdem nicht vorenthalten.

Nach dem Tod seiner Mutter flüchtet sich der zwölfjährige David in die Welt der Bücher. Schon bald merkt er, dass sich Realität und Phantasie vermischen. Es beginnt eine aufregende Reise an der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit. Klug und spannend erzählt John Connolly eine Geschichte über die Kraft der Phantasie.

Der Junge David ist sehr unglücklich, als sein Vater einige Zeit nach dem Tod seiner Mutter eine neue Frau kennenlernt und mit ihr wieder eine Familie gründet. David ist voller Wut auf seinen kleinen Halbbruder und seine Stiefmutter und zieht sich immer mehr in sich selbst und die Welt seiner Bücher – alte Bücher voller geheimnisvoller Zeichnungen und magischer Geschichten – zurück. Bei einem Angriff der deutschen Luftwaffe (die Geschichte spielt im Jahr 1940 in England) flüchtet sich David in eine Baumhöhle am Ende des Gartens und findet sich unversehens in einer anderen Welt wieder. Es ist eine böse Welt, in der Ungeheuer und Halbwölfe lauern. Eine Jägerin erschafft Mischwesen aus Kindern und Tieren, um sie zu jagen. Ein dickes, lautes, unsympathisches Schneewittchen unterdrückt sieben zutiefst kommunistische Zwerge. David kann nur zurück, wenn er den König findet und von dem das Buch der verlorenen Dinge erhält. Noch weiß er nicht, dass der Trickser, der Krumme Mann, einen teuflischen Plan ausheckt, in dem er David die Hauptrolle zugewiesen hat.

Ohh, ich hoffe, ich habe nicht zu viel verraten. Diese Geschichte ist voll von bösem Ideenreichtum und merkwürdigen Gestalten. Verschiedene bekannte Märchen sind in die Erzählung mit eingewoben, enden aber nie so, wie man es kennt und erwarten würde. In seiner Erzählweise erinnert die Geschichte selbst an die Märchen, die ihr zugrunde liegen. Aber definitiv keines für Kinder: Teilweise hat mich das Buch in der düsteren Atmosphäre, den schrägen Einfälle und gruseligen Schauplätzen an die Filme von Tim Burton erinnert oder an die Filme Pans Labyrinth und Das Märchen der Märchen. Beides sind Märchen für Erwachsene, und ebenda kann man auch Das Buch der verlorenen Dinge einordnen.

Also, wenn ihr euch gern ein bisschen beim Lesen gruselt und euch gerne in andere Welten mitnehmen lasst (oder jemanden kennt, der das gerne tut und dem ihr noch etwas als Weihnachtsgeschenk sucht), dann sei euch dieses Buch an’s Herz gelegt.

John Connolly: Das Buch der verlorenen Dinge, 330 Seiten, erschienen im List Verlag im Jahr 2011.

 

Ich wünsche euch alles Gute dieser Welt!

Eure Miriam

 

 

Mohn-Marzipan-Kipferl oder Willkommen, 3. Advent

Hallo ihr Lieben,

heute mag ich gar nicht lang drumrum reden, sondern lieber gleich zum Wesentlichen kommen – die Mohn-Marzipan-Kipferl, die ich euch heute mitgebracht habe. Ich bin sehr stolz darauf, weil das meine allerersten wirklich selbst ausgedachten Plätzchen sind und noch viel stolzer macht mich, dass ich sie unter diesem Namen und in dieser oder einer ähnlichen Kombination nicht in Google finden kann. Ich glaube, ich gehe gleich ein Patent anmelden, das wären sie tatsächlich auch wert.

Ursprünglich wollte zwar ich einen Kuchen backen, mit Marzipan, Mandeln, Mohn und Kirschen. Dann ist mir aber eingefallen, dass meine Seite hier noch gar nicht adventlich gestimmt ist, weder von der Deko noch von den Posts und den Themen. Mag sein, dass das an meiner eher unadventlichen Stimmung liegt. Zu viel gibt es die ganze Zeit zu tun, als dass ich mich einfach entspannt auf Weihnachten freuen, Plätzchen backen und mir Gedanken über die Geschenke für meine Lieben machen könnte. Nur an den Adventssonntagen nehme ich mir Zeit und kuschle mich abends mit einer Tasse heißen Apfelmosts und einem Teller Plätzchen und Lebkuchen auf die Couch, das Wohnzimmer nur durch die Kerzen des Adventskranzes erhellt. Und dann erfüllt mich doch schon ein bisschen vorweihnachtliche Stimmung.

Auf jeden Fall dachte ich mir, wieso nicht meine Lust auf Gebackenes mit Mohn und Marzipan mit Plätzchen stillen anstatt mit Kuchen? Und tadaa, hier seht ihr das Ergebnis. Zum Glück sind sie so gut und fotogen geworden, dass ich sie jetzt hier auf dem Blog mit euch teilen und ein bisschen adventliche Stimmung verbreiten kann.

Übrigens, warmer Apfelmost ist meine Entdeckung des Winters. Im Gegensatz zu Glühwein und anderen alkoholischen Heißgetränken, von denen mir nach zwei Schlucken immer schon übel wird. Also vielleicht auch eine Empfehlung an andere Glühweinverächter, sofern ihr Apfelsaft mögt. Schmeckt nämlich ein bisschen so ähnlich, nur nicht so süß und mit weihnachtlichen Gewürzen. Besonders gern mag ich den hier. Und sollte ich mal die Gelegenheit haben, auszuprobieren, wie selbstgemachter Glühmost schmeckt, dann lasse ich es euch auf jeden Fall wissen.

Aber nun zurück zu meinem Rezept, bestimmt seid ihr schon ganz neugierig. Die Kipferl schmecken nach Marzipan und zart nach Mohn. Außen knusprig und innen weich, sind sie genau so, wie ich es mag. Und dann auch noch so einfach und unkompliziert … vielleicht gehe ich doch ein Patent anmelden.

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Mohn-Marzipan-Kipferl

Die Menge reicht für drei Bleche – wenn man Geduld hat und kleine Kipferl backt.

130g Marzipan, 50g Butter, ein Ei, 200g Mehl, 80g Puderzucker und 2 EL nicht gemahlene Mohnsamen zu einem  glatten Teig verarbeiten. Dann 30 Minuten im Kühlschrank kalt stellen. Dann zu Kipferln formen und bei 180°C Ober- und Unterhitze ungefähr 7 Minuten backen.

Abkühlen lassen und mit Puderzucker bestreuen. Luftdicht verpackt halten sie sich bestimmt bis Weihnachten, aber das habe ich noch nicht ausprobiert. Und ich bin mir auch gar nicht sicher, ob die überhaupt so lange halten.

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Ich wünsche euch trotz der alltäglichen und besonderen vorweihnachtlichen Verpflichtungen Zeit, das kleine Glück zu genießen, Plätzchen selbst zu backen und bei Glühwein mit lieben Menschen zusammenzusitzen. Ich zum Beispiel neige nämlich manchmal dazu, fast zu vergessen, wie wichtig solch kleinen Dinge sind.

Wie immer wünsche ich euch alles Gute dieser Welt.

Eure
Miriam

Kürbis-Pastinaken-Suppe oder Sport ist Mord?

Hallo ihr Lieben,

also nur um schon mal gleich eines vorwegzunehmen, falls die Überschrift auf etwas Anderes schließen lassen sollte: Ich mag Sport. Und ich finde auch nicht, dass er grundsätzlich mordlüstern ist und überhaupt halte ich generell „Sport ist Mord“ für eine ziemlich unwahre Aussage. Lasst mich euch erklären, wieso ich die trotzdem als Überschrift gewählt habe.

Heute wurde ich zum Thema „Fitness und Fitnesstrends“ interviewt. Da kamen dann Fragen wie: Wie ernährst du dich? Machst du Sport? Wie sportlich würdest du dich selbst einschätzen? Welche Fitnessprogramme kennst du und nutzt du sie? Nimmst du Nahrungsergänzungsmittel? Welche Menschen findest du schön? Denkst du, dass der herrschende Fitnesstrend bereits ein Fitnesswahn ist?

Im Laufe des Interviews habe ich festgestellt (und wohl mein Gegenüber auch), dass ich zu diesem Thema so ziemlich die uninteressanteste Interviewpartnerin sein muss, die es gibt. Versteht mich nicht falsch, ich versuche durchaus mich ausgewogen zu ernähren. Viel Gemüse und Salat, Vollkornprodukte (vor allem -brot und -mehl, Volllkornnudeln sind mir ein Graus), Porridge oder Müsli mit Joghurt und Obst zum Frühstück und möglichst wenige Süßigkeiten. Außerdem fahr ich grundsätzlich mit dem Rad zur Uni (außer es schüttet aus Kübeln), gehe gerne laufen, wenn das Wetter einigermaßen passt und ich das dringende Bedürfnis habe, mich draußen zu bewegen und ich mache Yoga, weil mir das sehr gut tut und mich entspannt. Das alles mache ich aber ausschließlich nur, weil ich Spaß daran habe und keinesfalls aus einem kompetitiven Beweggrund oder deshalb, weil ich das Gefühl habe, meine Körper stählen zu müssen, damit ich jedem mein Sixpack und meinen austrainierten Rücken zeigen kann. Deswegen kenne ich auch keine Fitnessprogramme und nehme keine Nahrungsergänzungsmittel. Ich ziehe Zufriedenheit und Energie aus der Tätigkeit des Mich-Bewegens, das Ergebnis -größere Sportlichkeit – ist ein schöner, aber nicht absichtlich angestrebter Nebeneffekt. Alles, was darüber hinausgeht, also wenn man sich zum Sport, der ja eigentlich eine erfüllende Freizeitbeschäftigung sein sollte, irgendwie gedrängt fühlt oder das Gefühl hat, Sportlichkeit ist ein anzustrebendes Muss, geht das Ganze meiner Meinung nach in die falsche Richtung. Es ist ein Unterschied, ob jemand viel Sport macht, um sich auf einen Marathon vorzubereiten, weil er sich das schon lange wünscht oder aber einen Marathon mitzulaufen, weil man sich oder anderen etwas beweisen will oder irgendwelchen Idealen hinterherhechelt. Dann ist Druck von außen vorhanden und die Freiwilligkeit fehlt, die für mich einfach die oberste Maxime beim Sport ist. Und darum mache ich auch nur Sport, um mich wohl zu fühlen. Nicht, um schlanker und fitter zu werden.

Das Rezept, das ich euch heute vorstellen möchte, ist passenderweise ein gänzlich unsportliches. Kein Low-Carb-Gemüseauflauf, Paleo-Fleischgericht oder Buddha-Bowl-Salatschüssel, sondern eine wunderbare, von innen wärmende und perfekt gegen die Kälte draußen wirkende Suppe.

 

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Kürbissuppe mit Pastinaken und Feta

Die Portionen reichen für zwei sehr hungrige Personen. Und dann bleibt noch ein bisschen was übrig.

Für die Suppe 250g Pastinaken schälen und in Scheiben schneiden. Einen ganzen Hokkaidokürbis (ungefähr 800g, aber das genaue Gewicht ist gar nicht so wichtig) waschen, entkernen und würfeln. Beiseite stellen. Eine große Zwiebel häuten und klein schneiden, ebenso ein daumennagelgroßes Stück Ingwer und eine große Zehe (oder zwei kleine Zehen) Knoblauch. Zwiebel, Ingwer und Knoblauch in Butter andünsten, dann 1 1/2 Teelöffel Curry dazugeben und kurz mit anschwitzen lassen. Dann den Kürbis und die Pastinaken dazugeben und mit 700ml Gemüsebrühe auffüllen. Anschließend zugedeckt so lange köcheln lassen, bis der Kürbis und die Pastinaken weich sind. Das dauert ungefähr 20 Minuten. Dann pürieren und mit 100 ml Schlagsahne, Salz, Curry und Pfeffer abschmecken.

Während die Suppe kocht, 2 Esslöffel Pinienkerne und einen Teelöffel Sesam in einer Pfanne ohne fett goldbraun rösten und 125g Feta (oder die billige Kuhmilchversion, die nehme ich immer) in kleine Würfel schneiden. Zusammen mit Petersilie und einer Prise Harissa ergibt das ein sehr leckeres Topping.

 

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Ich wünsche euch alles Gute dieser Welt!

Eure Miriam

Bananenpancakes oder Zeit ist kostbar

Hallo ihr Lieben!

Da bin ich wieder, aufgetaucht aus den Untiefen der Unibibliothek. Die letzten Wochen waren sehr anstrengend und stressig für mich, weil ich eine ziemlich große Arbeit geschrieben habe. Und wie hab ich mich auf jetzt gefreut, die ersten beiden Oktoberwochen, wo ich nun so viel Zeit habe, dass ich gar nicht weiß, wie ich sie füllen soll, einfach in den Tag hineinleben kann und ausschließlich machen, worauf ich Lust habe. Also viel backen, kochen, lesen, bloggen, laufen, Serien schauen – und wer weiß, vielleicht probiere ich doch einmal die Nähmaschine aus, weil das soll ja ganz einfach sein. Aber nur, wenn mir wirklich sehr langweilig ist.

Immer in solchen Phasen, in denen ich so viel zu tun habe, merke ich, wie kostbar Zeit eigentlich ist. Und wie wenig wir davon frei nach unseren Wünschen gestalten können. Umso wichtiger ist es, die Zeit, die man hat, bewusst zu genießen. Und damit meine ich nicht, sich die Freizeit mit Terminen und Aktivitäten vollzuladen, sondern sich auch mal Zeit für sich zu nehmen. Ich verordne mir zum Beispiel, wenn ich grad sehr viel zu tun habe, Rundum-Wohfühl-Tage (oder -Stunden oder sogar -Wochen, so wie jetzt, bevor ich in mein letztes Semester starte) und beginne die am liebsten mit einem besonderen, nicht alltäglichen Frühstück, das gerne mal etwas Zeit brauchen darf und im besten Fall auch noch was fürs Auge ist. Wie zum Beispiel die Pancakes, die ich euch heute vorstellen möchte.

Also was heißt, sie brauchen Zeit.. eigentlich sind sie ganz schnell zusammengerührt. Aber seht selbst.

Pancakes aus Banane und Haferflocken mit Blaubeersauce

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Das Rezept reicht für ein bis zwei Personen… das kommt ganz auf den Hunger an.

Für die Pancakes 2 sehr reife Bananen klein schneiden und zusammen mit zwei Eiern, einer halben Tasse Haferflocken und einem halben Teelöffel Backpulver fein pürieren.  Dann den Teig eine Viertelstunde quellen lassen, damit die Haferflocken weich werden können. Anschließend Butter in einer Pfanne erhitzen und esslöffelgroße Teigportionen ausbacken. Ich weiß nicht, ob auch größere Pancakes gingen, das habe ich noch nie ausprobiert – aber ich finde die kleinen sowieso viel hübscher.

Für die Sauce eine Tasse tiefgekühlte Blaubeeren in der Mikrowelle zwei Minuten auf der höchsten Stufe erhitzen. Dann vier Teelöffel Naturjoghurt hineinrühren. Sollte die Süße der Blaubeeren nicht ausreichen, mit Ahornsirup abschmecken. Das gibt nochmal einen ganz eigenen Geschmack.

Was auch sehr gut zu den Pancakes passt, ist Crème Fraîche und Honig. Oder Apfelkompott. Oder beides? Und auch Zimt im Teig schmeckt vorzüglich.

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Ich wünsche euch, dass ihr die Zeit habt, zur Ruhe zu kommen … und natürlich alles Gute dieser Welt!

Eure
Miriam

PS: Das Pancake-Rezept gibt es so oder ähnlich auf ungefähr tausend verschiedenen Seiten, ich hab es dort her… die Sauce und die Toppingideen hab ich mir ganz selbst ausgedacht, aber selbstverständlicherweise kann ich keine Garantie geben, dass es das nicht auch schon irgendwo gibt.