Blaubeer-Zitrone-Muffins oder Mit Mörikes Worten

Ihr Lieben,

ich mag den Frühling. Die Wärme, die langsam wieder kommt und es möglich macht, das man auch mal ohne Mütze das Haus verlässt. Die ersten Farbtupfer, wenn Krokusse und Schneeglöcklchen blühen. Das erste satte Grün, wenn sich die Wiesen beginnen zu erholen und der übermütige Schnittlauch auf meinem Balkon schon fleißig treibt. Die knospenden Bäume, die Vögel, die mit ihrem Gezwitscher wieder die Morgen einläuten. Der erdige, nasse Geruch, wenn man durch die Wiese und im Wald spazieren geht. Einfach dieses Erwachen der Natur, diese Vorbereitung, dieser Aufbruch, diese Absage an den toten Winter ist es, was mich jedes Jahr fasziniert und mir viel Energie mitgibt.

Oder, um es mit Mörikes Worten zu sagen, der alles Tolle am Frühling in so wenigen Worten konzentriert:

Frühling lässt sein blaues Band/ wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte/ streifen ahnungsvoll das Land.

Leider bin ich keine Dichterin und deswegen kann ich weder eine Ode an den Frühling noch an die Muffins schreiben, die ich euch heute mitgebracht habe. Aber lasst mich trotzdem eine prägnante Beschreibung dieses Gebäcks versuchen, das euch den Frühlingsanfang versüßen und das Osterfrühstück (im Falle, dass ihr Ostern feiert) oder das erste Frühlingspicknick im Freien oder einfach die Kaffeetafel zieren kann.

Das Höchste an diesen Muffins sind (neben den Blaubeeren natürlich) die Streusel, die mir so knusprig wie noch nie gelungen sind. Der Streuselteig ist recht bröslig und hat einen vergleichsweise niedrigen Butteranteil. Das ist es, was es problemlos möglich macht, ihn über den Muffinteig zu streuen und somit zwar recht kleine, aber sehr feine, knusprige und nur zart nach Butter schmeckende Streusel zu erhalten. Und die toppen diese sehr saftigen, blaubeerigen und leicht zitronigen Muffins auf’s Vorzüglichste.

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Blaubeer-Zitrone-Muffins mit Knusperstreusel

Für die Streusel 50g Zucker und 50g Butter mit 100g Mehl verkneten. Der Teig wird, wie schon erwähnt, recht bröselig. Es sollten sich schon kleine Klumpen formen lassen, aber er muss nicht so fest zusammenhalten wie ein Mürbteig. 30 Minuten im Kühlschrank kalt stellen.

Für die Muffins 1 Ei mit 65g Zucker in einer Schüssel verrühren. 125 ml Buttermilch, 125 ml Milch und 75 ml Sonnenblumenöl dazugeben und zusammen mit der abgeriebenen Schale von einer Zitrone unterrühren. Dann 250g Mehl und 3 gestrichene Teelöffel Backpulver vermischen und rasch mit den flüssigen Zutaten verrühren. Zwei kleine Gläser oder ein großes Glas Blaubeeren abgießen, abtropfen lassen und unter den Teig heben.

In Muffinförmchen verteilen, die Streusel darüber streuseln und bei 180°C Ober- und Unterhitze ungefähr 25 Minuten backen.

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Mir ist das Rezept vor allem deswegen so ein kleines Glück, weil ich ein bisschen daran herumgetüftelt habe. Sonst waren mal die Streusel zu schwer mit zu viel Butter, dann wieder war zu viel Buttermilch drin oder zu wenig Blaubeeren. Jetzt hab ich für mich das perfekte Rezept gefunden. Am besten schmecken die Muffins noch lauwarm frisch aus dem Ofen, mit Vanille- oder Maple Walnut Eis. Und weil sie sich auch eignen, eine Frühstückstafel zu schmücken, mache ich mit diesem Rezept mit bei dem Blogevent #diyosterbrunch von Jules Moody, Yvonne von Mohntage, PaulsVera und Anika von Vergissmeinnicht.

Lasst es euch gut gehen, ich wünsche euch alles kleine Glück dieser Welt.

Eure Miriam

Wintersalat oder Keine Ode an den saisonalen Gedanken

Ihr Lieben,

was wäre der Winter ohne Feldsalat. Ich bin so froh, dass es ihn gibt, denn ohne ihn wüsste ich nicht, welchen Salat ich im Winter essen könnte, ohne ein diffus schlechtes Gewissen im Genick sitzen zu haben. Seit ich mir nämlich ein bisschen Gedanken gemacht habe über die Saisonalität und Regionalität von Gemüse, ist mir mit Schrecken aufgefallen, dass man sich ab November eigentlich nur noch von Karotten, Kartoffeln, Kohl (nein, diese Alliteration war keine Absicht) und allen Arten von Wurzeln und  Rüben ernähren kann, wenn man auf die Herkunft und die Saison von Gemüse achten möchte. Was haben die Menschen früher im Winter bitte gegessen? Ich glaube, ich müsste verhungern. Ich habe für mich nach eingehender Prüfung meines Gewissens also beschlossen, dass ich dazu nicht in der Lage bin. Weißkohl und Wirsing gut, aber in Maßen. Trotzdem ist es schon einige Zeit her, seit das letzte Mal Gurken und Tomaten in meinem Einkaufswagen gelandet sind – zugegebenermaßen hauptsächlich aus geschmacklichen Gründen und nicht in erster Linie aus einem saisonalen Gedanken heraus. Diese fürchterlich wässrigen und geschmacklosen Gemüseattrappen kann man kaum als solche bezeichnen. Dafür kaufe ich auch weiter Paprika ein, die schmeckt nämlich gar nicht mal so schlecht und kommt sowieso ganzjährig aus Spanien. Ich weiß, das ist ein sehr schwacher Trost. Ansonsten bemühe ich mich, mehr Wintergemüse in meinen Speiseplan einzubauen, neben Tomaten und Gurken auch auf Zucchini und Auberginen und Beeren zu verzichten und meinen Salatkonsum zu reduzieren. Bis auf den Feldsalat natürlich, das ist schließlich ein Wintersalat – was auch die Dame Wikipedia bezeugt.

Natürlich könnte man jetzt sagen, ich mache es mir zu einfach mit meiner Einstellung der Regionalität und Saisonalität gegenüber und sei gar nicht mit ganzem Herzen dabei. Bestimmt gibt es Wintergemüse-Fanatiker, die mir, sofern sie diesen Artikel läsen (Ich wollte unbedingt mal den Konjunktiv II benutzen, sieht irgendwie ganz schön falsch aus), genau das ankreiden würden. Und es stimmt vielleicht, aber ist es der Umwelt nicht gleichgültig, mit welchen Beweggründen die Menschen auf ihren Erhalt achten? Die Hauptsache ist doch das Ergebnis:  je mehr Menschen sich auf alte und eingesessene Gemüsesorten besinnen, desto weniger muss importiert werden, desto weniger CO2-Ausstoß durch Transport und desto weniger schnell sinkender Grundwasserspiegel in Südspanien. Es gibt hier, wie ich finde, kein zu wenig. Jede Tomate, die man einmal nicht kauft, bewirkt etwas. Zumindest stelle ich mir das so vor.

Meine persönliche Besinnung beschränkt sich bei dem Rezept, das ich euch heute vorstellen möchte, auf den Feldsalat und die vakuumierten Roten Rüben, die dafür Hauptzutaten sind. Ansonsten ist dieser Salat eine wortwörtlich bunte Mischung: in der Pfanne gebratene Süßkartoffeln mit Curry und Zwiebeln, Avocado und rote Rettich-Kresse. Die habe ich zum ersten Mal gekauft und sie schmeckt sehr lecker. Kräftiger im Geschmack als normale Kresse, fast noch hübscher und sie rundet mit ihrem leicht scharfen Aroma das Erdige der Süßkartoffeln und den Roten Rüben wunderbar ab. Getoppt wird alles mit Sonnenblumen- und Kürbiskernen, die dem Ganzen noch mehr Biss verleihen.

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Feldsalat mit Curry-Süßkartoffeln, Roten Rüben und Avocado

Wie immer für zwei Personen mit Hunger und Appetit gedacht.

2 Süßkartoffeln mit einem Gesamtgewicht von ungefähr 500g schälen und in etwa ein Zentimeter große Würfel schneiden. 2 Zwiebeln schälen, halbieren und in Spalten schneiden. In einer Pfanne viel Olivenöl erhitzen und beides bei mittlerer Hitze braten, bis es gar ist. Dann mit etwa einem Teelöffel Currypulver und Salz würzen.

Währenddessen zwei Knollen vakuumierte Rote Rüben in kleine Würfel schneiden. Sie sollten nicht größer als einen halben Zentimeter sein, sonst wird der Geschmack sehr dominant. Eine Avocado halbieren, das Fruchtfleisch herauslösen und in Scheiben schneiden. 75g Feldsalat (beziehungsweise eine halbe Packung, ich weiß nicht genau, wie viel es ist) waschen und mit weißem Balsamico und Salz würzen. Öl ist hier für meinen Geschmack nicht mehr nötig, die Süßkartoffeln bringen genug davon mit.

Den Feldsalat und die Süßkartoffeln auf zwei Teller richten, die Avocado und die Roten Rüben darüber verteilen. Am Schluss rote Rettichkresse und Kerne nach Geschmack dekorativ über den Salat streuen.

Servieren mit knusprigem Baguette oder einfach ganz pur.

Alternativ zu dem sehr einfach gehaltenen Dressing könnte ich mir etwas Zitroniges, leicht Säuerliches auch gut vorstellen. Leider war die Zitrone aus, aber sobald ich es ausprobiert habe, berichte ich.

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Alles Gute dieser Welt wünsche ich euch, die es gar nicht mehr erwarten kann, wieder kleines Glück in Form von geschmacksexplosiven Cherrytomaten und frischen Gurken zu genießen. Da das noch ein bisschen dauert, ist auch Feldsalat okay. Die ersten Sonnenstrahlen, die Vögel und ersten Frühlingsblumen wachkitzeln, entschädigen mich da.

Eure Miriam