Salbeinudeln oder Die Entdeckung des Daumens

…des grünen Daumens, um genau zu sein. Letztes Jahr habe ich mir im April trotz meiner generellen Abneigung gegen Erde und alles, was mit Pflanzen (also dem Pflanzen, nicht den Pflanzen – Blumen mag ich schon) zu tun hat, die lange vernachlässigten Balkonbeete vorgenommen. Der Leidensdruck war einfach zu hoch. Jeden Tag war das erste, was ich sah, wenn ich aufwachte, die Verwüstung vor meinem Schlafzimmerfenster. Deswegen  habe ich aus dem Urwald eine sehr kultivierte Blumenwiese und ein vorzeigbares Kräuterbeet gemacht. Beziehungsweise – es war mein Plan. Die Wiesenblumen streute ich zu eng (ich habe so einen Streuer von Rewe gekauft – einmal schütteln, schon leer. Schrecklich.), und deswegen schossen die stärksten Blumen sehr hoch auf und alle anderen verkümmerten traurigst unter deren Schatten. Mit dem Kräuterbeet sah es kaum besser aus. Da ich gehört hatte, dass Minze schrecklich wuchert und genau wie Salbei, Thymian und Rosmarin keine Pflege braucht, kaufte ich von diesen vier Kräutern jeweils einen Topf im Supermarkt (erfahrene Gärtner werden jetzt lachen, aber ich sehe nicht, wo der Unterschied liegt. Außer dass man im Baumarkt mindestens das Doppelte zahlt – belehrt mich, wenn ich irgendetwas übersehen habe), pflanzte sie ein und goss sie in sehr unregelmäßigen Abständen. Der Thymian ging kläglichst ein, die Minze wurde nach einer Zeit schwarz und verlor alle Blätter und Salbei und Rosmarin – tja, die waren schon da. Aber sie fristeten eher ein Dasein am Rande des Existenzminimums, als zu wachsen und zu gedeihen, wie ich mir das eigentlich vorgestellt hatte.

Dieses Jahr im April begann ich meine zweite Schlacht gegen meinen schwarzen Daumen. Wieder bereitete ich die Beete vor, riss alles Unkraut (also alles – völliger Kahlschlag) aus und kaufte Erde und Blumensaat und Kräutertöpfe und hoffte das Beste. Und tadaaa – alles wächst wunderschön. Die Blumenwiese fängt schon an zu blühen, und Minze, Zitronenmelisse, Salbei, Rosmarin, Thymian und Oregano wachsen und wachsen und wachsen. Nur der Schnittlauch ist eingegangen (noch so ein Gewächs, das eigentlich wächst wie Unkraut, nur bei mir auf dem Balkon nicht), aber der ist im Angesicht meines Erfolges wohl vernachlässigbar. Mein grüner Daumen  ist geboren!

(Ich möchte noch anmerken, dass es bisher keine längeren Trockenperioden gab und deswegen noch kein Extra-Gießen notwendig war. Sollte das notwendig werden, könnte es das Ende meiner Karriere als grüner Daumen werden. Aber nur vielleicht. Momentan bin ich zu stolz auf die grünenden Beete, als dass ich das wieder abgeben wollte.)

Passend zu den Ausschweifungen über meine Balkonkräuter habe ich heute ein sehr simples, aber sehr gutes Nudelgericht für euch, dessen Hauptgeschmacksgeber Salbei ist. Natürlich frisch und natürlich vom Balkon. Dazu gesellen sich Unmengen von Butter, Karotten und Parmesan und fusionieren zu Nudeln mit Salbeibutter und glasierten Karotten.

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Die angegeben Mengen sind gerade genug für zwei hungrige Personen.

250g Nudeln mit Eianteil (hier hatte ich Bandnudeln, aber Tortellini schmecken auch sehr gut dazu) oder Gnocchi in Salzwasser kochen.

400-500g Karotten schälen und in schräge Scheiben schneiden. 10 große oder 15 mittlere Blätter Salbei von den Stielen zupfen, waschen, trocken tupfen und in ungefähr 50 Gramm Butter kross braten. Das klingt sehr viel, aber die Butter ist ein toller Geschmacksgeber – an ihr sollte nicht gespart werden. Es lohnt sich!

Ist der Salbei knusprig, aus der Pfanne nehmen und die Karotten in der aromatisierten Butter weich und gerne auch ein bisschen gebräunt braten. Mit zwei Prisen Zucker, einem Spritzer Essig, Salz und Pfeffer würzen.

Die Nudeln abgießen und tropfnass unter das Karottengemüse mischen. Am Schluss den Salbei darüberbröseln. Mit Parmesan bestreut servieren. Und möglichst schnell essen, sonst wird der Salbei weich und es fehlt der Knuspereffekt.

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Ich wünsche euch einen schönen Abend – und ebenso glücklichmachende kleine Dinge wie frische Kräuter vom Balkon!

Eure

Miriam

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