Glücklicher Zufallsfund oder Aprikosenschnecken mit Marzipan

Ihr Lieben,

wenn ihr mir auf Instagram folgt, dann könnt ihr euch vielleicht noch an die Verschenkaktion in meinem Haus erinnern: Jemandem wucherte die Minze zu übermütig auf dem Balkon und dieser Jemand suchte dann mit einer netten Nachricht im Hauseingang ein neues Zuhause für sie. In der darauffolgenden Zeit standen hin und wieder Kisten mit überflüssig gewordenem Hausstand, meist altes Besteck und Küchengerät, im Eingangsbereich herum und warteten auf neue Besitzer. Uninteressant für mich, bis einmal eine ganze Kiste voll mit Kaffeegeschirr aus Porzellan dort stand. Daran konnte ich nicht vorbeigehen und so darf ich nun zwei Teller Indisch Blau von Bareuther mein Eigen nennen. Die restlichen acht Teller, sechs Untertassen und sechs Tassen des Sets habe ich großzügigst dem Finder nach mir überlassen, denn so viel Geschirr kann ich leider nicht in meiner Küche unterbringen. Das sehr hübsche Blumendekor ist laut Wikipedia sehr beliebt. Jede Porzellanfabrik, die etwas auf sich hält, hat seit dem 19. Jahrhundert eine Linie mit diesem Muster im Repertoire und nennt sie Strohblumen, Friesisch Blau oder eben Indisch Blau. Die sehr reduzierte Form, wie sie sich auch auf meinen Tellern findet, rührt daher, dass der Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Porzellanfabriken sehr groß war und immer nach Möglichkeiten gesucht wurde, die Produktion zu verbilligen. Aber mir gefällt gerade das Einfache, Reduzierte. Ein bisschen geblümt, ein bisschen blau, ein bisschen retro und genau perfekt, um darauf fluffige Hefeschnecken mit Aprikosen und Marzipan zu präsentieren.

Das Marzipan macht die Schnecken süß und saftig, dominiert aber nicht, weil Zitronenschale in der Füllung und die Aprikosen ausbalancieren mit sommerlicher Frische. Der Teig ist sehr weich, buttrig und wenig süß. Am besten sind die Schnecken lauwarm frisch aus dem Ofen, aber auch abgekühlt schmecken sie vorzüglich, mit Vanilleeis oder pur, mit Kaffee oder Milch, je nach Vorliebe.

Hefeschnecken mit Aprikosen und Marzipan

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Die angegebenen Mengen passen genau für eine Springform von 26 cm Durchmesser oder zehn Schnecken.

Zuerst den Vorteig bereiten. Dazu 250g Mehl in eine Schüssel abwiegen und eine Mulde hineindrücken. 125ml Milch erwärmen (sie darf nicht heißer als handwarm sein, sonst quittiert die Hefe ihren Dienst) und in die Mulde gießen. 21g Hefe (also einen halben Würfel) hineinbröckeln. 30g Zucker abwiegen und davon einen Esslöffel in die Milch streuen. Dann mit einer Gabel so lange die Hefe mit der Milch verquirlen, bis sie sich aufgelöst hat. Den Vorteig abgedeckt an einem warmen Ort ungefähr 20 Minuten gehen lassen beziehungsweise so lange, bis sich die Hefemilch in eine fluffig-schaumige Masse verwandelt hat.

Für den Hefeteig den restlichen Zucker, 30g weiche Butter und ein Eigelb zum Vorteig geben. Das Eiweiß dabei unbedingt aufbewahren, das wird für die Füllung noch benötigt. Alles miteinander vermischen (mit Küchenmaschine oder Rührgerät) und kneten, bis sich der Teig von der Schüssel löst und er sich weich, elastisch und nicht klebrig anfühlt. Das dauert je nach Leistung von Handrührgerät, Küchenmaschine oder Bizeps (meine Oma schlägt ihren Hefeteig immer noch oft per Hand) fünf bis zehn Minuten. Dann den Teig abgedeckt eine Stunde gehen lassen oder so lange, bis er sein Volumen verdoppelt hat.

Während der Teig geht, die Füllung zubereiten. Dafür 170g-200g Marzipan (je nachdem, wie intensiv ihr den Marzipangeschmack haben mögt) in Stücke schneiden und mit dem Handrührgerät weich rühren. Dann ein Eiweiß einrühren sowie  2 EL Sahne, um das Marzipan geschmeidig zu machen. So lange schlagen, bis die Masse cremig und homogen wird. Dann die Schale einer halben Zitrone abreiben und unterrühren.

Außerdem 350g- 400g Aprikosen waschen, entsteinen und klein würfeln.

Wenn der Teig sein Volumen verdoppelt hat, aus der Schüssel nehmen, auf der bemehlten Arbeitsfläche noch einmal kurz durchkneten und dann zu einem etwa ein Zentimeter dicken Rechteck ausrollen. Die Marzipanmasse darauf verstreichen und die Aprikosenwürfel gleichmäßig darauf verteilen. Anschließend von der langen Seite her aufrollen und mit einem scharfen Messer in Scheiben schneiden. In lockerer Anordnung in einer Springform verteilen. Wichtig ist, darauf zu achten, dass die Scheiben nicht zu dünn bemessen sind, sonst kann man sie nicht schön in die Form setzen. Noch einmal zudecken und ein letzes Mal gehen lassen, dieses Mal eine halbe Stunde.

Den Ofen auf 160°C Ober- und Unterhitze vorheizen und den Hefeschneckenkuchen ungefähr 45 Minuten backen, bis er eine appetitliche goldgelbe Farbe hat und Marzipanduft durch die Wohnung zieht. Wer mag, kann die Schnecken dann noch mit Zuckerguss oder Frosting zu überziehen. Ich habe mich hier aber dazu entschieden, mit gar nichts zu glasieren, denn ich wollte puren Aprikosen- und Marzipangeschmack und keine klebrigen Finger beim Essen.

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Und voilà, die Schnecken sind perfekt geworden. Perfekt, um sie an einem heißen Sommertag beim Picknick am See zu verspeisen oder sie etwas gediegen zum Nachmittagskaffee von Indischblau-Porzellantellern zu naschen. Je nach Anlass und Anforderung kann man sie entweder auseinanderzupfen, wie ich es auf den Fotos gemacht habe, oder man schneidet sie in Stücke wie einen Kuchen. Dann kommt die Maserung der Füllung auch gut zur Geltung. Ein Kuchen für alle Lebenslagen also und für wirkliches kleines Glück.

Und genau das wünsche ich euch, wie immer: Alles kleine Glück dieser Welt.

Eure
Miriam

 

 

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Mohn-Marzipan-Kipferl oder Willkommen, 3. Advent

Hallo ihr Lieben,

heute mag ich gar nicht lang drumrum reden, sondern lieber gleich zum Wesentlichen kommen – die Mohn-Marzipan-Kipferl, die ich euch heute mitgebracht habe. Ich bin sehr stolz darauf, weil das meine allerersten wirklich selbst ausgedachten Plätzchen sind und noch viel stolzer macht mich, dass ich sie unter diesem Namen und in dieser oder einer ähnlichen Kombination nicht in Google finden kann. Ich glaube, ich gehe gleich ein Patent anmelden, das wären sie tatsächlich auch wert.

Ursprünglich wollte zwar ich einen Kuchen backen, mit Marzipan, Mandeln, Mohn und Kirschen. Dann ist mir aber eingefallen, dass meine Seite hier noch gar nicht adventlich gestimmt ist, weder von der Deko noch von den Posts und den Themen. Mag sein, dass das an meiner eher unadventlichen Stimmung liegt. Zu viel gibt es die ganze Zeit zu tun, als dass ich mich einfach entspannt auf Weihnachten freuen, Plätzchen backen und mir Gedanken über die Geschenke für meine Lieben machen könnte. Nur an den Adventssonntagen nehme ich mir Zeit und kuschle mich abends mit einer Tasse heißen Apfelmosts und einem Teller Plätzchen und Lebkuchen auf die Couch, das Wohnzimmer nur durch die Kerzen des Adventskranzes erhellt. Und dann erfüllt mich doch schon ein bisschen vorweihnachtliche Stimmung.

Auf jeden Fall dachte ich mir, wieso nicht meine Lust auf Gebackenes mit Mohn und Marzipan mit Plätzchen stillen anstatt mit Kuchen? Und tadaa, hier seht ihr das Ergebnis. Zum Glück sind sie so gut und fotogen geworden, dass ich sie jetzt hier auf dem Blog mit euch teilen und ein bisschen adventliche Stimmung verbreiten kann.

Übrigens, warmer Apfelmost ist meine Entdeckung des Winters. Im Gegensatz zu Glühwein und anderen alkoholischen Heißgetränken, von denen mir nach zwei Schlucken immer schon übel wird. Also vielleicht auch eine Empfehlung an andere Glühweinverächter, sofern ihr Apfelsaft mögt. Schmeckt nämlich ein bisschen so ähnlich, nur nicht so süß und mit weihnachtlichen Gewürzen. Besonders gern mag ich den hier. Und sollte ich mal die Gelegenheit haben, auszuprobieren, wie selbstgemachter Glühmost schmeckt, dann lasse ich es euch auf jeden Fall wissen.

Aber nun zurück zu meinem Rezept, bestimmt seid ihr schon ganz neugierig. Die Kipferl schmecken nach Marzipan und zart nach Mohn. Außen knusprig und innen weich, sind sie genau so, wie ich es mag. Und dann auch noch so einfach und unkompliziert … vielleicht gehe ich doch ein Patent anmelden.

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Mohn-Marzipan-Kipferl

Die Menge reicht für drei Bleche – wenn man Geduld hat und kleine Kipferl backt.

130g Marzipan, 50g Butter, ein Ei, 200g Mehl, 80g Puderzucker und 2 EL nicht gemahlene Mohnsamen zu einem  glatten Teig verarbeiten. Dann 30 Minuten im Kühlschrank kalt stellen. Dann zu Kipferln formen und bei 180°C Ober- und Unterhitze ungefähr 7 Minuten backen.

Abkühlen lassen und mit Puderzucker bestreuen. Luftdicht verpackt halten sie sich bestimmt bis Weihnachten, aber das habe ich noch nicht ausprobiert. Und ich bin mir auch gar nicht sicher, ob die überhaupt so lange halten.

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Ich wünsche euch trotz der alltäglichen und besonderen vorweihnachtlichen Verpflichtungen Zeit, das kleine Glück zu genießen, Plätzchen selbst zu backen und bei Glühwein mit lieben Menschen zusammenzusitzen. Ich zum Beispiel neige nämlich manchmal dazu, fast zu vergessen, wie wichtig solch kleinen Dinge sind.

Wie immer wünsche ich euch alles Gute dieser Welt.

Eure
Miriam