Winterlicher Bulgursalat oder das Glück der Vielfalt

Ihr Lieben,

in dem Rezept, das ich euch heute vorstellen werde, kommen viele verschiedene Gewürze zum Einsatz .. oder besser, Gewürzmischungen. Ich hab nämlich vor Kurzem in Passau einen kleinen orientalischen Supermarkt entdeckt, der von Türkischem Honig über verschiedene Tees bis hin zu Sucuk (einer türkischen Knoblauchwurst – in Pide zusammen mit geschmolzenem Mozzarella definitiv einen Versuch wert) eine große Vielfalt an Lebensmitteln führt, die man so im Supermarkt nicht bekommt. Und es gibt eben dort auch ein ganzes Regal mit Gewürzen und Gewürzmischungen zu unschlagbar günstigen Preisen. Für mich entdeckt habe ich definitiv Harissa, das ist eine sehr scharfe Paprikapaste. Ich habe sie wegen der längeren Haltbarkeit in Pulverform gekauft, aber ich denke, das Ergebnis ist das Gleiche: eine sehr scharf-würzige Note, die fast überall dazu passt (zum Beispiel zu der Kürbis-Pastinakensuppe von hier). Außerdem zähle ich jetzt Zatar (oder Za’tar oder Zahtar, eine Mischung aus unter anderem Thymian, Fenchel, Sesam und Knoblauch) zu meinem Besitz und Wacholderbeeren und getrocknete Minze – ich glaube, ich muss bald wieder hin und mich eindecken. Immer, wenn ich dort bin und das bunt gemischte Klientel sehe, bin ich froh, dass diese Vielfalt erlaubt ist und dass es diese Vielfalt gibt. Wie eintönig und flach wäre unsere und jede andere Kultur und Sprache ohne den regen Austausch untereinander und die Neugier auf das Andere, Fremde? Ich bin froh, dass es diesen Austausch gibt  – auf einer ganz niedrigen Ebene deshalb, weil es ohne ihn das Rezept nicht gäbe, das ich euch heute vorstellen möchte: einen Bulgursalat mit Roter Bete, Kichererbsen und Tomaten. Und Zatar und Harissa und getrockneter Minze. Die Tomaten ergänzen mit ihrer Frische gut den erdigen Geschmack der Roten Bete und das Nussige des Bulgurs. Sie lassen sich aber, wenn man jetzt im tiefsten Winter keine Tomaten essen möchte (egal, ob aus geschmacks- oder umwelttechnischen Gründen), auch gut durch blanchierte Möhren ersetzen.

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Bulgur-Salat mit Roter Bete und Kichererbsen

Die Zutaten sind wie immer so bemessen, dass zwei hungrige Personen gut davon satt werden. Und manchmal auch noch ein bisschen was übrig bleibt.

Als erstes 150g Bulgur in leicht gesalzenem Wasser nach Packungsanweisung gar kochen. Währenddessen eine Dose Kichererbsen abgießen, unter kaltem Wasser abwaschen und abtropfen lassen. 400g Rote Bete abtropfen lassen und in etwa 1 cm große Würfel schneiden. 250g Cherrytomaten in Scheiben schneiden. 1 Lauchzwiebel waschen und in feine Ringe schneiden. Wenn der Bulgur fertig gequollen ist, alle Zutaten zusammen in eine Schüssel geben und mit ungefähr 6 Esslöffeln Olivenöl vermischen. Ich kann leider keine genaue Mengenangabe geben, aber es soll so viel sein, dass die ganze Mischung schön geschmeidig ist und nicht trocken wirkt. Dann mit einem halben Teelöffel getrockneter Minze, einem halben Teelöffel Zatar, und etwas weißem Balsamico würzen. Mit Salz und Zitronensaft abschmecken.

Wenn man möchte, kann man zusätzlich klein geschnittenen Feta dazu reichen oder in einer Pfanne ohne Fett geröstete Mandeln.

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Ich bin immer wieder erstaunt über die unheimlich kräftige Farbe der Roten Bete und die manchmal sehr hübsche Maserung. Das ist ein wunderbarer lila-roter Tupfer im grauen Winter. Richtiges kleines Glück für mich.

In diesem Sinne wünsche ich euch alles Gute dieser Welt! Lasst euch überraschen vom kleinen Glück.

Eure
Miriam

 

 

Kräutercouscous oder Assozationen zu Fertiggerichten

Nein, das soll kein, wie die Überschrift vielleicht vermuten lässt, Plädoyer für Fertiggerichte sein. Zur Erklärung. Couscous erinnert mich an französische Supermärkte, da gibt’s – neben vielfältigen anderen Köstlichkeiten – dieses fertig abgepackte Taboulé in riesigen Schalen. Und das schmeckt hundertmal so gut wie jedes selbst gemachte, ich kann auch nicht sagen, wieso. Vielleicht hängt es einfach an der Erinnerung an Picknick auf einer windgepeitschten Landzunge am Atlantik und frisch gebackenes Baguette vom Boulanger, das wunderbar duftet und so schön zart knuspert, wenn man es auseinanderbricht. Und das, bestrichen mit gesalzener Butter, hervorragend zu dem Taboulé passt.

Bei mir gibts aber, wie die Überschrift schon verrät, kein Taboulé, sondern Kräutercouscous mit Fenchelgemüse und Minzjoghurt. Das schmeckt auch ohne Baguette und Atlantikküste. Versprochen.

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Das Rezept ist für zwei Personen gedacht und kann natürlich beliebig erweitert werden.

Für den Kräutercouscous 200g Couscous mit 2 EL Rosinen (die können nach Belieben auch mehr oder weniger sein), 1 TL Ras el Hanout (ungefähr) und Salz vermischen und mit kochendem Wasser übergießen. Quellen lassen. Wenn das Couscous fertig gequollen ist,  2 EL TK-Petersilie (auch hier wieder abschmecken) unterrühren. Mit Salz und Zitronensaft abschmecken.

Währenddessen 1 daumennagelgroßes Stück Ingwer schälen und klein hacken. 2 Fenchelknollen putzen, waschen, vierteln und in dünne Scheiben schneiden. Dann zusammen mit dem Ingwer in Olivenöl anbraten, bis der Fenchel bissfest ist. 3 Tomaten in Scheiben schneiden und dazugeben. So lange braten, bis die Tomaten warm und der Fenchel weich geworden sind. Am Ende salzen.

Für den Minzjoghurt 10 Blätter Minze klein hacken, mit 200g Vollmilchjoghurt mischen, mit Zitronensaft und Salz würzen.

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Und nun – glücklich in Erinnerungen mit Couscous schwelgen. Vielleicht ist ja der ein oder andere dabei, der bei Couscous nicht an Tajines oder nordafrikanische, vor Gewürzen explodierende Taboulehs denken muss, sondern auch an das fertige Taboulé im französischen Supermarkt. Aber wahrscheinlich denken die meisten bei Couscous an gar nichts und nur ich bin glücklich, wenn ich welchen esse. Soll mir auch recht sein.

 

Eure

Miriam