Ausflugsziel Mostbauer oder Rhabarbervanillestreusel

Ihr Lieben,

Passau preist sich selbst als die Dreiflüssestadt und liegt, zugegebenermaßen ziemlich malerisch, am Zusammenfluss von Inn und Donau. Der Inn, der mit seinem manchmal schlammbraunen, manchmal fast saphirgrünen Wasser zwischen Österreich und Passau alle kleinen und größeren Dörfer und Städte verbindet, die für mich Heimat sind und Donau, mit der ich kaum mehr verbinde, als dass sie ziemlich tief, träge und immer schwarzbraun ist und dem Inn den Namen klaut. Der dritte Fluss ist die Ilz, ein kleines, idyllisches Flüsschen.

Fährt man nun von Passau aus auf der österreichischen Seite des Inns ein Stück Richung Wernstein und Schärding, kommt man an dem „Mostausschank Unterer Inn“ vorbei. Das ist ein Bauernhof mit einer kleinen Milchwirtschaft, dessen Besitzer die einträgliche Idee hatten, im Sommer Radfahrer und die Passauer Studenten in dem kleinen Biergarten vorm Haus mit selbst gekeltertem Most (pur oder gspritzt) und Jause (also Brotzeit) zu versorgen. Es fühlt sich für mich immer wie die pure Idylle an, an einem der paar Tische zu sitzen, links davon der Gemüsegarten der Wirtsfamilie, geradeaus Bienenstöcke, jetzt im Frühling blühende Apfelbäume und dahinter der Fluss, den auf der gegenüberliegenden Seite sattgrüne, dicht bewaldete Hänge säumen.

Die Brotzeit ist wirklich sehr zu empfehlen und wenn einen dann mit dieser Aussicht nach einem Brotzeitteller und einer Portion Erdäpfel- und Topfenkas noch der Nachspeisenhunger überkommt, gibt es Povesen und einfache Rührkuchen mit Obst der Saison. Momentan ist Rhabarberzeit, deswegen gibt es – Überraschung – Rhabarberkuchen. Den mag ich, aber umso mehr mag ich es, wenn der Rhabarber mit seiner Säure eingebettet ist in einen samtigen Guss, so wie in diesem Rezept hier.

Weil ich also dringend Rhabarkuchen backen wollte, aber keine Lust hatte auf Mürbteig-Knet- und Bastelarbeit mit butterfettigen Händen und Teig überall hatte, habe ich einen Rhabarberstreuselkuchen mit Vanillequarkcreme gebacken, der so gut geworden ist, dass ich ihn mit euch teilen möchte. Die leicht süße, vanillige Quarkcreme bildet einen mindestens so perfekten Kontrast zu dem säuerlichen Rhabarber wie Rahmguss und die Streusel knuspern zart. Hach, das ist Kuchenglück.

Rhabarberstreuselkuchen mit Vanillequark und Streuseln

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Für eine Springform von 24cm Durchmesser

500g Rhabarber waschen, putzen, die großen Stangen grob schälen und in Scheiben schneiden. Mit 2 Esslöffel Zucker mischen und etwas ziehen lassen.

Für den Boden 100g Butter mit 80g Puderzucker und einem Päckchen Vanillezucker cremig schlagen. Nacheinander 2 Eier hinzufügen. 125g Mehl mit einem Teelöffel Backpulver mischen und unter die Butter-Zucker-Masse rühren.

Für die Käsekuchenmasse 350g Quark mit 150g Vanillejoghurt, 35g Speisestärke, einem Esslöffel Puderzucker und einem Päckchen Vanillezucker verrühren. Die Masse ist recht standfest, deswegen noch so viel Milch zugießen, bis sie cremig wird. Das waren bei mir ungefähr 50ml, ich habe aber nicht abgemessen.

Für die Streusel 75g Butter mit 65g braunem Zucker (weißer Zucker geht auch, aber ich finde, Streusel werden mit braunem Zucker noch knuspriger) und 100g Mehl verkneten.

Jetzt die Rührteigmasse in die Springform streichen und darauf die Quarkcreme. Dann den Rhabarber abtropfen lassen und auf dem Kuchen verteilen. Abschließend die Streusel drüberbröseln.

Im Backofen bei 175°C Ober- und Unterhitze ca. 50 Minuten backen.

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Der Mostausschank ist übrigens definitiv kein Geheimtipp im Sommer, vor allem nicht während der Semesterzeit. Mittags bekommt man aber normalerweise gut einen Tisch und abends rückt man gern zusammen, damit alle Platz haben.

Ich wünsche euch alles kleine Glück.

Eure
Miriam

 

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Blaubeer-Zitrone-Muffins oder Mit Mörikes Worten

Ihr Lieben,

ich mag den Frühling. Die Wärme, die langsam wieder kommt und es möglich macht, das man auch mal ohne Mütze das Haus verlässt. Die ersten Farbtupfer, wenn Krokusse und Schneeglöcklchen blühen. Das erste satte Grün, wenn sich die Wiesen beginnen zu erholen und der übermütige Schnittlauch auf meinem Balkon schon fleißig treibt. Die knospenden Bäume, die Vögel, die mit ihrem Gezwitscher wieder die Morgen einläuten. Der erdige, nasse Geruch, wenn man durch die Wiese und im Wald spazieren geht. Einfach dieses Erwachen der Natur, diese Vorbereitung, dieser Aufbruch, diese Absage an den toten Winter ist es, was mich jedes Jahr fasziniert und mir viel Energie mitgibt.

Oder, um es mit Mörikes Worten zu sagen, der alles Tolle am Frühling in so wenigen Worten konzentriert:

Frühling lässt sein blaues Band/ wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte/ streifen ahnungsvoll das Land.

Leider bin ich keine Dichterin und deswegen kann ich weder eine Ode an den Frühling noch an die Muffins schreiben, die ich euch heute mitgebracht habe. Aber lasst mich trotzdem eine prägnante Beschreibung dieses Gebäcks versuchen, das euch den Frühlingsanfang versüßen und das Osterfrühstück (im Falle, dass ihr Ostern feiert) oder das erste Frühlingspicknick im Freien oder einfach die Kaffeetafel zieren kann.

Das Höchste an diesen Muffins sind (neben den Blaubeeren natürlich) die Streusel, die mir so knusprig wie noch nie gelungen sind. Der Streuselteig ist recht bröslig und hat einen vergleichsweise niedrigen Butteranteil. Das ist es, was es problemlos möglich macht, ihn über den Muffinteig zu streuen und somit zwar recht kleine, aber sehr feine, knusprige und nur zart nach Butter schmeckende Streusel zu erhalten. Und die toppen diese sehr saftigen, blaubeerigen und leicht zitronigen Muffins auf’s Vorzüglichste.

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Blaubeer-Zitrone-Muffins mit Knusperstreusel

Für die Streusel 50g Zucker und 50g Butter mit 100g Mehl verkneten. Der Teig wird, wie schon erwähnt, recht bröselig. Es sollten sich schon kleine Klumpen formen lassen, aber er muss nicht so fest zusammenhalten wie ein Mürbteig. 30 Minuten im Kühlschrank kalt stellen.

Für die Muffins 1 Ei mit 65g Zucker in einer Schüssel verrühren. 125 ml Buttermilch, 125 ml Milch und 75 ml Sonnenblumenöl dazugeben und zusammen mit der abgeriebenen Schale von einer Zitrone unterrühren. Dann 250g Mehl und 3 gestrichene Teelöffel Backpulver vermischen und rasch mit den flüssigen Zutaten verrühren. Zwei kleine Gläser oder ein großes Glas Blaubeeren abgießen, abtropfen lassen und unter den Teig heben.

In Muffinförmchen verteilen, die Streusel darüber streuseln und bei 180°C Ober- und Unterhitze ungefähr 25 Minuten backen.

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Mir ist das Rezept vor allem deswegen so ein kleines Glück, weil ich ein bisschen daran herumgetüftelt habe. Sonst waren mal die Streusel zu schwer mit zu viel Butter, dann wieder war zu viel Buttermilch drin oder zu wenig Blaubeeren. Jetzt hab ich für mich das perfekte Rezept gefunden. Am besten schmecken die Muffins noch lauwarm frisch aus dem Ofen, mit Vanille- oder Maple Walnut Eis. Und weil sie sich auch eignen, eine Frühstückstafel zu schmücken, mache ich mit diesem Rezept mit bei dem Blogevent #diyosterbrunch von Jules Moody, Yvonne von Mohntage, PaulsVera und Anika von Vergissmeinnicht.

Lasst es euch gut gehen, ich wünsche euch alles kleine Glück dieser Welt.

Eure Miriam