Schokoladenkuchen mit Kirschen oder Intelligente Kostümschlachten

Ich mag Filme und Serien, die in historischen Settings spielen. In denen kann man schwelgen, sich an den aufwendigen Kulissen und besonders an den schönen Kleidern erfreuen. Sich hinüberträumen in eine andere, längst vergangene Zeit, in denen die Frauen schöne Kleider trugen, lange Haare und (bedauerlicherweise) keine Rechte hatten und die Männer galante, immer gut gekleidete Gentlemans waren, die lange Bärte und alle Rechte hatten. Aber – Überraschung – alleine diese Umstände reichen für mich nicht aus, um eine gute Serie auszumachen. Eigentlich finde ich Serien, die alleine diese Kriterien erfüllen, ziemlich flach und definitiv nicht sehenswert – Spartacus ist so ein Beispiel. Entsetzlich, wie Frauen hier zu Objekten degradiert und die Gladiatorenkämpfe der Römerzeit völlig unreflektiert zu Heldentaten aufgebaut werden, ohne die Hintergründe wenigstens ansatzweise zu beleuchten. Also, ein zumindest etwas kritischer und realistischer Blick ist mir wichtig. Und intelligente Handlungsstränge. Mit Downton Abbey möchte ich euch heute eine Serie vorstellen, die für mich genau die Kriterien erfüllt und die ich euch deswegen an’s Herz legen möchte: weil sie gut gemacht, intelligent, detailgenau UND eine Kostümschlacht ist.

Downton Abbey ist eine britische Serie aus dem Hause ITV. Das Leben, die Intrigen, die Irrungen und Wirrungen der britischen Adelsfamilie Grantham und deren Personal wird über sechs Staffeln und einem Zeitraum von 12 Jahren, nämlich von 1914 bis 1926, begleitet. Nun, man könnte jetzt sagen, das ist eine klassische historische Kostümschlacht, wie oben beschrieben, aber so einfach ist es nicht. Zuerst einmal trugen die Männer in den 20er Jahren höchstens Schnauzer – die Backenbärte der Kaiserzeit waren weitgehend verpönt.

Downton Abbey schafft es, durch die feine Ausbalancierung der Themenschwerpunkte neben den typischen Einzelschicksalen, die es so mehr oder weniger in jeder Serie gibt (Tod, Affären, Liebes- und Zweckheiraten, uneheliche Kinder und was alles sonst dazugehört) weitere spannende Handlungsstränge zu schaffen. Das geschieht zum Beispiel durch Einflechtung von Generationen- und Standeskonflikten, die Frauenrechtsbewegung und die sozialistischen Strömungen, die vom Festland her schwappend auch die Arbeiter auf der Insel in ihrem Denken beeinflussten. Besonders die Schicksale, die Aufgaben und das Leben des Hauspersonals, die gleichberechtigt neben denen der Familie Grantham stehen, haben mich an der Serie besonders fasziniert. Das gibt einen Einblick in den Mikrokosmos eines adeligen Haushalts, der nur funktionieren kann, wenn jeder darin auch seine Stellung kennt und nach bestem Wissen ausfüllt – dass das Dienertum aus heutiger Sicht nicht positiv zu bewerten ist, muss ich dabei ja nicht extra erwähnen.

Ich weiß nicht, inwiefern Downton Abbey einen beschönigenden Schleier über diese Zeit legt – sie lässt einen Einblick in einen Haushalt zu, in dem die Diener ein verhältnismäßig gutes Leben führen und von den Mitgliedern der Familie auch als Menschen wahrgenommen und menschenwürdig behandelt werden. Sie hat keinen nostalgischen Charakter, wichtig für die ganze Serie und ein Leitthema ist die Verhandlung eines Gleichgewichts zwischen Altem und Neuem, Vertrautem und Unbekanntem, dem Fortschritt und der Stagnation. Generell überwiegt der Fortschrittsglaube und macht deutlich, dass ohne die Anpassung an neue Gegebenheiten das Überleben unmöglich ist. Vielleicht endet Dowton Abbey deshalb auch mit der Zeit um 1925, weil danach durch gravierende, in der Serie auch schon angedeutete Veränderungen im Denken und den Ansprüchen vor allem der einfachen Menschen, das lang tradierte System des Dienertums zu verschwinden begann und somit die Basis für einen funktionierenden Haushalt des Adels wegbrach.

Im Gesindetrakt von Downton Abbey ist ein Dreh- und Angelpunkt im Leben des Hauspersonals die Küche, deren Herrscherin Missis Patmore zuständig ist für all die Köstlichkeiten, die bei der Familie Grantham tagtäglich auf den Tisch kommen. Bestimmt wäre sie begeistert von der flaumigen Weichheit und Saftigkeit dieses Schokoladenkuchen, der durch die Kirschen wunderbar fruchtig wird. Abgerundet wird der Geschmack durch den Mohn. Den kann man weder auf den Fotos noch im fertigen Kuchen erkennen, er hinterlässt aber einen leicht nussigen Geschmack, der gut mit der Schokolade und den Kirschen harmoniert (ich meine, dass diese Zutaten gut zusammenpassen, das ist ja hinreichend belegt). Wahrlich, ein perfekter Kuchen für einen englischen five o’clock tea. Und perfekt als Begleitung für einen Binge-Watching-Abend – oder zwei?

Schokolade-Mohn-Kuchen mit Kirschen

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Das Rezept ist für eine Springform mit 18cm Durchmesser gedacht. Für eine Familienportion Kuchen in einer 26cm Springform einfach alle Mengen verdoppeln.

125g Butter mit 80g Zucker schaumig schlagen. 50g Zartbitterschokolade schmelzen (ich habe festgestellt, dass das in der Mikrowelle wunderbar geht, wenn man sie vorher ganz fein hackt und dann fest aufpasst, dass sie nicht anbrennt) und zu der Butter-Zucker-Mischung geben. Noch einmal aufschlagen, dann nacheinander 2 Eier unterrühren. In einer Schüssel 125g Mehl mit 3 EL ganzen Mohnsamen, einem halben Päckchen Backpulver und 15g Kakao mischen. Die Mehlmischung unter die Masse geben und noch einmal kurz durchrühren. Ein Glas Sauerkirschen abgießen, abtropfen lassen und unter den Teig heben.

In eine Springform füllen und bei 175°C Ober- und Unterhitze ungefähr 45 Minuten backen.

Den Kuchen abkühlen lassen und entweder 100g Zartbitterschokolade schmelzen lassen und ihn komplett damit überziehen oder, wie ich es gemacht habe, 50g Zartbitterschokolade schmelzen und dekorative Streifen spritzen. Ich bin nämlich kein besonders großer Fan von Schokoglasur, aber es sieht auf Fotos einfach hübscher aus als ohne.

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Ich wünsche euch alles Gute dieser Welt und viel kleines Glück – in Kuchen und einer guten Serie.

Eure
Miriam

Beerenkäsekuchen oder Die Treffsicherheit von Anglizismen

Eigentlich wollte ich diesen Artikel „Die nicht immer unbestrittene Treffsicherheit von Anglizismen nennen… aber zu lange Überschriften führen meiner Meinung nach zu Verwirrung und Desinteresse beim Leser, wenn sie nicht wohldosiert sind. Käsekuchen… Ich fand als Kind immer faszinierend, wie es süßen Kuchen geben kann, der offensichtlich (dem Namen nach) Käse enthält. Und welcher Käse das dann wohl sein mag? Als ich dahintergekommen bin, dass doch keiner zum Einsatz kommt, sondern dass das ganze Geheimnis Quark ist, war ich zwar nicht wirklich überrascht. Aber ich muss bis heute daran denken, immer wenn ich einen esse oder backe. Und ich wundere mich sehr, warum niemand mehr Käsekuchen, sondern alle nur noch Cheesecake backen. Ich meine, ich weiß, es hört sich einfach hipper an. Genau so wie Breakfastbowl besser klingt als Frühstücksschüssel und Smoothiebowl griffiger ist als Eine Auswahl pürierter Früchte, garniert mit in dekorative Streifen gelegte  Kerne und Samen, serviert in einer Suppenschüssel, zu verzehren mithilfe eines Löffels. Aber Käsekuchen ist eine so treffende Bezeichnung, bei der sich als schöner Nebeneffekt bestimmt alle Kinder fragen, welcher Käse denn wie darin enthalten sein kann, ohne dass man ihn herausschmeckt. Also – für mehr Käsekuchen und weniger Cheesecake in unseren Küchen!

Das mag jetzt vielleicht so klingen, als sei ich generell gegen Anglizismen. Das ist nicht wahr, es gibt einige sehr prägnante und treffende. Weswegen ich es auch absolut unnötig finde, Sprachpurismus zu betreiben. Sprache ist ein lebendiges, sich ständig veränderndes Gebilde, das über die Zeit sehr vielen Einflüssen ausgesetzt ist. Man bedenke nur die Lehnwörter aus dem Lateinischen und Französischen, die in den täglichen Sprachgebrauch eingingen, als diese Sprachen in Europa dominant waren und die wir heute selbstverständlich benutzen. Aktuell ist es eben Englisch, das uns überall begegnet und unsere tägliche Kommunikation (meistens) bereichert. Das finde auch ich ganz natürlich und in Ordnung. Was mich jedoch stört, ist der unreflektierte Gebrauch. Wie Cheesecake. Cheese = Käse. Cake = Kuchen. Okay, wenn man einen New York Cheesecake nur mit Frischkäse bäckt, dann verstehe ich das. Ist ja dann ein speziell amerikanisches Rezept. Aber sobald Quark mit im Spiel ist, bin ich für die Bezeichnung Käsekuchen. So.

Sprachpurismus (frz.: purisme, lat.: purus = rein) oder Sprachreinigung ist übrigens der Versuch, alle Fremd- und Lehnwörter aus einer Sprache zu tilgen, indem aus dem Material der eigenen Sprache neue Wörter gebildet werden. Bestrebungen dazu gibt es in einigen Ländern mehr oder weniger erfolgreich. Bekannt ist vor allem die bereits erwähnte Académie Francaise in Frankreich oder die Academia della Crusca in Italien, aber auch die Isländer versuchen intensiv, ihre Sprache frei von anderen Einflüssen zu halten. Um die Dame Wikipedia einmal wieder zu Wort kommen zu lassen.

Nun aber Schluss mit dem Geschwafel. Heute gibt es Blueberry and Raspberry Cheesecake.

Oh nein, entschuldigt. Bodenlosen Käsekuchen mit Blaubeeren und Himbeeren meinte ich natürlich. Das wollte ich schon lange mal ausprobieren. Leider hatte ich keinen Grieß mehr zuhause (der eigentlich dem Kuchen Stand geben sollte), deswegen habe ich mich stattdessen für viel Vanillepuddingpulver (alternativ geht auch Speisestärke) entschieden, was ihm sehr gut getan hat. Ergebnis ist ein sehr fluffiger, weicher, nicht zu süßer Kuchen mit optimalem Stand, der sich auch sehr gut als Dessert servieren lässt.

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BODENLOSER KÄSEKUCHEN MIT BLAUBEEREN UND HIMBEEREN

Die Menge ist für eine Springform mit 26cm Durchmesser gedacht. Und die ist, wie ich festgestellt habe, nur gerade so ausreichend.

250g Zucker mit 250g Butter schaumig rühren, bis sich der Zucker aufgelöst hat und die Masse weißlich geworden ist. Anschließend 6 Eier trennen. Das Eiweiß steif schlagen und beiseite stellen. Das Eigelb nach und nach unter die Butter-Zucker-Masse rühren. Dann einen Kilo Quark (am besten den mit 20% Fett i.d.Tr.) unterrühren. Einen Esslöffel Mehl mit einem Teelöffel Backpulver und zwei Päckchen Vanillepuddingpulver vermischen und schnell mit der Quarkmasse vermengen. Zum Schluss den Eischnee unter die Masse ziehen. Nun kommen noch 200g frische Blaubeeren und ungefähr ebenso viele Himbeeren (ich habe da tiefgekühlte genommen, aber frische gehen sicher genauso gut) dazu.

Den Teig (kann man es überhaupt so bezeichnen?) in eine mit Backpapier ausgelegte, aber nicht gefettete (!) Springform streichen und bei 180°C Ober- und Unterhitze eine Stunde backen. Dann den Ofen abschalten und bei geschlossener Tür noch so lange ziehen lassen, bis der Kuchen Gefahr läuft, zu dunkel zu werden. Wichtig: Vor dem Anschneiden vollständig auskühlen lassen, weil er sonst zusammenfällt!

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Ich wünsche euch alles Gute dieser Welt! Und im Alltag viele kleine Glücke!

Eure

Miriam

 

Rhabarberkuchen oder Kuchenwolke 7

Allerlieblingsrhabarberkuchen. Da scheiden sich die Geister. Die einen mögen ihn mit Baiser, die anderen mit Creme oder ganz pur versunken in Rührteig, wahlweise mit Schlagsahne. Ich liebe ihn am meisten mit fluffigen Rahmguss (leider gibt es hier keine Emoticons, sonst stünde hier jetzt ein großes, pochendes Herz à la Whatsapp). Meine Oma backt sie ganz vorzüglich, diese wunderbare Komposition aus säuerlichem Rhabarber, knusprigem Mürbteig und süßem, flaumigem Rahmguss. Große Kuchentafelfreude, wenn sie ihn mitbringt. Und damit ihr auch auf Rhabarberkuchenwolke 7 schweben könnt, stelle ich euch heute das Rezept vor.

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Für den Teig 180g Mehl mit 80g Zucker und einem gestrichenen Teelöffel Backpulver vermischen. Dann auf der Arbeitsfläche zu einem Häufchen schichten, oben eine Mulde eindrücken. Um die Mulde 80g klein geschnittene Butter verteilen, anschließend ein Ei hineingeben und rasch zu einem glatten Teig verkneten. Dann in Frischhaltefolie einschlagen und kühlstellen.

1 kg Rhabarber (ja, das ist viel, und das ist gut so) waschen, die Enden abschneiden und grob schälen. In Würfel schneiden.

Eine 26er-Springform mit dem Teig auskleiden. Hierbei die eine Hälfte für den Boden und die andere Hälfte für den Rand verwenden. Den Rhabarber darauf verteilen, 2 EL Zucker dazu geben und vermischen. Dann bei 200°C Umluft 20 Minuten backen.

Für den Rahmguss 2 Eier trennen. Das Eiweiß steif schlagen, nach und nach 80g Zucker hineinrießeln lassen und zu Baiser schlagen. Das Eigelb mit 1 schwach gehäuften Teelöffel Speisestärke und 3 großzügigen Esslöffeln Schlagsahne verrühren. Das klappt am besten mit dem Handrührgerät. Mischt man es zu wenig durch, bleiben auf dem Kuchen Speisestärkekügelchen und das sieht nicht so hübsch aus. Wenn die Eigelbmasse schön homogen ist, den Baiser vorsichtig unterziehen.

Auf dem Rhabarber verteilen und noch einmal für ungefähr 10 Minuten backen, bis der Guss eine appetitliche bräunliche Farbe hat.

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Uuuund, hört ihr meinen Bauch lachen? Nichts macht ihn glücklicher als Süßes aller Art und dieser Frühlingsbote ganz besonders.

Habt ein schönes Wochenende und viel Zeit für euch und euer kleines Glück!

Eure Miriam

Erdbeerbiskuit oder Der Sommer lässt grüßen

Seit Wochen schleiche ich im Supermarkt schon um die Erdbeeren herum und kaufe doch keine, weil der Gedanke an Beeren aus der spanischen Wüste nicht so verlockend ist wie der an die reifen, prallroten und unheimlich geschmackvollen, die auf den heimischen Erdbeerfeldern zwischen den grünen Blättern der Pflanze und dem untergelegten Stroh hervorlugen. Und von denen, wenn man sie selbst pflückt, mehr gleich in den Mund als in den Korb wandern. Aber heute – tadaaaa – lagen die ersten deutschen Erdbeeren im Regal. Und die mussten natürlich gleich mit. Entschieden habe ich mich für ein beinahe schon klassisches Kuchenrezept ganz ohne Schnickschnack, bei dem der pure Erdbeergeschmack der unangefochtene Hauptdarsteller ist.

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Für eine kleine Springform (20cm) – möchte man mehr als 3 Leute beglücken, wähle man eine größere Form und verdoppele die Menge.

Für den Biskuit zwei Eier trennen. 75 g Zucker abwiegen. Das Eiweiß mit einem Esslöffel Zucker steif schlagen. Den restlichen Zucker zusammen mit dem Eigelb schaumig rühren, bis die Masse weißlich wird und sich ungefähr verdoppelt hat. 75g Mehl abmessen und mit einem halben Teelöffel Backpulver mischen. Dann die Mehlmischung abwechselnd mit dem Eischnee vorsichtig unter die Eigelb-Zucker-Masse ziehen und in die Springform streichen. Ein Einfetten ist da nicht nötig. Im Backofen bei 175°C ungefähr 25 Minuten backen. Abkühlen lassen.

Für die Erdbeercreme 100g Schlagsahne mit einem Päckchen Vanillezucker steif schlagen. Mit 125g Quark (20% Fett) und 150g Joghurt verrühren. Von 400g Erdbeeren einige schöne zur Dekoration beiseite legen, von den restlichen den Strunk entfernen und in dünne Scheiben schneiden. Unter die Quarkcreme heben. Wenn man mag, kann man die noch mit etwas Zitronensaft und Zitronenschale abschmecken.

Die Erdbeercreme auf den Biskuitboden streichen, mit Splittern aus weißer Schokolade verzieren und mit den schönsten Erdbeeren toppen. Ein großes Stück abschneiden, sich in die Sonne sitzen und genießen. Das ist Glück.

 

Eure Miriam